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Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft
RAMADA Cup 6³   2015/2016

Qualifikationsturnier Magdeburg

20. bis 22. November 2015

Turnierinformationen:

Rangliste:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F

Teilnehmer:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F

Spielort:

RAMADA Hotel Magdeburg

Ralf Mulde berichtet aus Magdeburg

DSAM Magdeburg 2015 furios eröffnet

342 Teilnehmer sorgten für ein heiteres, buntes Bild im Turniersaal, aber zugleich bemerkt man doch immer dieses leise Knistern ... nicht das Butterbrot-Papier, sondern die vor dem Wettkampf-Start magisch aufgeladene Atmosphäre. Rund 10% Spielerinnen, nämlich genau 33 Damen, sind Teil dieser 342 Schach-Athleten - klingt wenig, ist im Schach aber viel. Wer mitgerechnet hat, weiß: 309 männliche Springerschwinger sind mit dabei.

DSAM-Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan freute sich sehr, so viele gut gelaunte und bis an die Zähne mit Bauern bewaffnete Schachsportler begrüßen zu können, darunter sichtlich viele Kinder. Als Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Hasselhoff einen Tag zuvor in Magdeburg den Demografiepreis überreichte, kam er in spontaner Rede auch auf Schach und bewies geradezu überragend detaillierte Fachkenntnis des aktuellen Schach-Geschehens in seinem Bundesland. "Auch das ist ein schönes Zeichen dafür, welch hohen Stellenwert unser Sport erlangt hat", sagte Dr. Jordan.

Prof. Dr. Matthias Puhle

Prof. Dr. Matthias Puhle

RAMADA-Hoteldirektor Stephan Faßbender

Stephan Faßbender

Magdeburgs Beigeordneter für Kultur, Schule und Sport Prof. Dr. Matthias Puhle (für uns Angereiste bleibt der sympathische Historiker "der stellvertretende Bürgermeister") schaffte es, jeden einzelnen Magdeburger Schachverein mit einigen netten Worten zu erwähnen und wusste auch über den aktuellen Tabellenstand der Spitzen-Ligen gut Bescheid. "Augenblicklich ist die SG Aufbau Elbe Magdeburg in der Zweiten Bundesliga nur noch nicht so ganz zur Entfaltung gekommen. Die überregionalen Erfolge der im Bereich des Kinder- und Jugendschachs sind Legende und haben sich natürlich auch in den Behörden herum gesprochen, ebenso wie der sozialerzieherische Wert des Konzentrations-Sports."

Zwar sei Magdeburg an sich ja schon eine Reise wert, fuhr Prof. Puhle fort, aber auch schon in längst vergangener Zeit übte seine Stadt Anziehungskraft auf Schachspieler aus - zuerst auf Johannes Zukertort, der schon 1885 direkt vor dem WM-Kampf gegen Steinitz zu einem Blindsimultan vorbei kam und offenbar auf genügend zahlende Gegner stieß, sowie viele Jahre später die Deutsche Meisterschaft 1927, die gewiss auch kennzeichnend für das in Blüte stehende Schachleben an der Börde war.

RAMADA-Hoteldirektor Stephan Faßbender begrüßte seine Gäste und freute sich, "Sie werden ja von Jahr zu Jahr immer mehr." Einige Hinweise auf die Besonderheiten seines sehr angenehmen Hauses rundeten seine launige kleine Vorstellung ab.

Der DSB-Referent für Breitenschach und zugleich Internationaler Schiedsrichter Hugo Schulz überbrachte den Spielern die Grüße des Deutschen Schachbundes und erinnerte daran, dass diese Turnierreihe "2002 zum 125. Jubiläum des DSB als einmalige Veranstaltung geplant war. Inzwischen geht es schon in die 15. Saison." Besonders betonte er den "familiären Charakter des Turniers", den diesmal jeder beim Eintritt in den Saal so wahrnahm.

Sachsen-Anhalts Landes-Referent für Öffentlichkeitsarbeit und zugleich Schiedsrichter Gert Kleint übernahm die Vertretung für den beruflich verhinderten Verbands-Chef Andreas Domaske (ja, Schach-Funktionäre müssen für ihre Miete und den Kaffee so arbeiten wie jeder andere auch...!) richtete die besten Wünsche seines Präsidiums aus. Wenige Augenblicke später eilte er zu den Tischen, nachdem die Auslosung feststand. Und die nach wohl einer Stunde auftauchende Frage eines noch sehr jungen Spielers, "ich habe gewonnen, mein Gegner hat aufgeben - was muss ich jetzt machen?" hätte unser angehender FIDE-Schiedsrichter sicher auch beantworten können.

Pünktlich wie immer gab Hauptschiedsrichter Jürgen Kohlstädt den Startschuss (irgendwann bringt er dafür tatsächlich mal eine Pistole mit, wird befürchtet), und genau in dem Moment, an dem am Freitag die erste Runde eröffnet wurde, wischte die Sonne den grauen Novemberschleier fort. Schachspielern ist so etwas angeblich egal, es handelt sich ja um eine "Indoor-Sportart" - nehmen wir es also als Symbol des Glücks, des Aufschwungs und des Matt auf h8. Viel Spaß!

Ausgetänzelt

Natalie Wächter

Natalie Wächter

Wir stellten es uns soooo nett vor, dass die Tür sich auftun möge und die schachkraftstrotzenden Mädels der erweiterten deutschen National-Mannschaft hereintänzelten, an den Anmelde-Counter stürmten ... tja ,das ging schon deshalb nicht, weil eine große Zahl von ihnen schon andernorts erfolgreich "zu Brett saß", nämlich an schach-historischem Ort: In Reykjavik, wo vor vielen Jahrzehnten ein ziemlich irrer Herr Fischer mit dem Sieg in der Weltmeisterschaft eine neue Ära des Weltschachs begann – auch wenn danach nie mehr etwas von ihm kam.

Genau dort findet heuer die Mannschafts-Europameisterschaft statt - und unsere Besten der Damen und Herren immer mittendrin. Oftmals sogar vorne dran, mit den bekanntesten Blondzopf-Trägern Melanie Ohme und Liviu-Dieter Nisipeanu. Und weil es von Island aus schwierig geworden wäre, fiel das mit dem Tänzeln vor dem DSAM-Counter jedenfalls für diese "Käuferschicht" aus.

Nun sitzen die also zwischen Fisch-Stäbchen und "svið" (das sind abgesengte, gekochte Schafsköpfe), "lundabaggar" (gekochte, sauer eingelegte Schafsinnereien) oder auch "súrsaðir hrútspungar" (in Molke eingelegte Hammelhoden, manchmal als Pastete) auf einer gewiss auch mal einsam werdenden Insel, während wir als rating-beste Frau die Nathalie Wächter vom SK Dessau 93 (Elo 1984 / DWZ 1940) begrüßen, die in der B-Gruppe ihr Rating verbessern wird ... wirst Du doch, oder? Und wir haben für jeden Spieler ganz bestimmt am Hotel-Buffet tausend Speisen, die etwas weniger exotisch klingen. Es hat eben Vorteile, bei der DSAM zu spielen.

Momentaner Stand unserer Mädels auf der Insel: Zehnter Rang nach Runde 6. Aber da geht noch was!

Raue Sitten am Brett – oder doch nicht?

Eins der lieb gewonnenen Hobbies am Rande unseres Turniers ist es geworden, den Vereinsnamen nachzuspüren, die sich ein wenig aus dem üblichen "Schachklub Stadtteil Stadt" herausheben. Und in der Setzliste musste man nicht lange suchen, um auf so etwas zu stoßen: "ESV Lok Raw Cottbus" – was ist das denn, bitteschön? "raw" ist ja ganz klar, heißt "rau", "roh" etc., eine "raw version" ist eine Rohfassung, ein "Johnny-raw" ist ein Anfänger und ein "raw-gabbit" ist in einigen Gegenden das, was der Autor für die DSAM ist ... aber das schlagt Ihr sicher irgendwo nach.

Was das alles aber im Vereinsnamen zu bedeuten hat? Die Homepage des Clubs bietet darüber auch unter "Geschichte" noch keinen Aufschluss, wohl aber ein sechs Jahre alter Artikel der Lausitzer Rundschau: ReichsbahnAusbesserungsWerk.
http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Ansturm-beim-Cottbuser-Bahnwerk-Geburtstag;art1049,2682983

Und so ergänzt sich der Vereinsname offenbar mit dem sehr großen "Eisenbahner Sport-Verein Lokomotive RAW Cottbus" – in dem die Kanu-Sportler und Tischtennis-Artisten phänomenale Erfolge haben und hatten. Diese Abteilungen sind offenbar auch eine vorzügliche Attraktion für Kinder, aber natürlich auch für Leistungs-Sportler.

Und keineswegs nebenbei heißt es dort über Schach: "Die erste Mannschaft spielt nach Aufstieg die neuen Saison 2015/16 in der Oberliga (dritthöchste Liga)!" (sic) Wie schon im Vereinsnamen fasst man sich beim RAW eben auch in den Mitteilungen kurz. Der DSB drückte es so aus: "Landesmeister wurde wie erwartet ESV Lok RAW Cottbus, die mit einem DWZ-Schnitt von 2044 die weitaus stärkste Mannschaft ins Rennen schickten. Cottbus vertritt in der nächsten Saison Brandenburg in der Oberliga Nordost." Aufgemerkt, liebe Schachfreunde! Bestimmt fassen sich die Brandenburger Spieler auch am Brett gerne mal kurz – im Sinne von "kurzer Prozess" : "Zack-zack-matt! Warten wir nun also ab, ob Ruprecht Pfeffer (Elo 2258) in der A-Gruppe seine diesbezüglichen Pläne umsetzen können wird.

Und Boris Bachran (Elo 2021 / DWZ 1888) aus der B-Gruppe scheint sozusagen ein Schienen-Kollege von Schach- und Eisenbahnfreund Pfeffer zu sein, denn Meister Bachran spielt – immer unter Dampf – für die SG Lok Brandenburg, Abt. Schach. Mir drängt sich gerade das Bild meiner Spielzeug-Eisenbahn in glückliche Erinnerungen ...

Wahrscheinlich siegt Höfelsauer – oder auch nicht

Thomas Höfelsauer

Thomas Höfelsauer

Die Zunft der Mathematiker ist im Schach breit vertreten. Vielleicht gibt es aber auch viele Postboten oder Friseure, das wurde eben nur noch nicht ausreichend untersucht. Laut Turnierchef Dr. Dirk Jordan sei Mathematik die einzige Wissenschaft, in der man nicht rechnen müsse – ob er deshalb gerade dieses Studium wählte, hält er geheim. Aber man kann es sich ja ausrechnen.

Einer der Väter der Wahrscheinlichkeitsrechnung war der Mathematiker und Philosoph "Modesty" Blaise Plascal (1623 – 1662 ... so richtig alt ist der nicht geworden, aber immerhin überlebte er den 30jährigen Krieg 1618-48). Von ihm wurde nicht bekannt, dass er Schach spielte – der Bretterkampf war damals wohl eher in Italien und Spanien en vogue, etwa durch Gioacchino Greco (ca. 1600 - 1634), Alessandro Salvio (1570 - 1640) und Giulio Cesare Polerio (ca. 1548 – 1612). Heute ist alles anders.

Zu uns zur DSAM in Magdeburg reiste mit FM Thomas Höfelsauer vom SK München Südost ein "Magister Scientiae" an, der an der Techn. Uni München am Mathematischen Institut lehrt und zwar Wahrscheinlichkeitstheorie oder -rechnung ... als einfacher Volksschüler kennt man sich damit ja nicht aus.

Der 1991 geborene (so jung und schon ein Lehramt an der Uni – Donnerwetter!) räumte zuletzt den Saal des Kirchseeon-Open (A) 2015 schachlich so richtig auf, machte dort 4,5 aus 5 ... also die selbe Rundenzahl wie die DSAM. Seid gewarnt, Ihr Strategen! Einmal in Schwung ließ er gleich das OIS München (A) 2015 folgen. Die sechs aus neun lassen vielleicht die Glöcklein noch nicht klingen, aber die Rating-Leistung 2395 schon.

Umso mehr zu bewundern ist also unser aus weiter Ferne (444 km Lustlinie) angereister, voralpiner Schachfreund, der ja vermutlich auch die Namen der ersten Stars dieser "Mathe-Szene" perfekt aussprechen kann, z.B. Bernouille, Bayes, Pascal, Kolmogorow, Poisson, Tschebyschow, ... und Müller. Naja, irgendeinen mit dem Namen Müller muss es doch wohl auch dabei gegeben haben, oder? Einige von ihnen fanden angeblich ein unschönes Ende, weil sie einfach zu oft im Würfelspiel gewannen. Jeder Sport hat eben seine eigenen Risiken.

Lösen, losen, lächeln

ChessBase ist diesmal nicht "nur" mit einem Seminar unterwegs, sondern Martin Fischer bot an, sehr, sehr viele Taktikaufgaben zu stellen. "Je mehr desto besser!!" lautet das Prinzip - mithin: Je mehr eingereichte Lösungen, desto größer wird der Preis, der den glücklichen Siegern (hey, Ihr seid doch glücklich, oder??) zugelost wird.

Das war aber nur der eine Teil der Aktion des Hauses. Zugleich wurde nämlich auch in der DSAM in einer Weltpremiere (jaaaaa...!) das neue Programm Fritz.15 vorgestellt.

"Wissen ist matt! Heute, Freitag, 20. Nov. 2015, fällt der Startschuss für den neuen Fritz 15 - beim Ramada-Cup in Magdeburg." So flott ging's los im ChessBase Schachbrief Nr. 17, November/2015. "FRITZ 15 ist da! Unser Mitarbeiter Martin Fischer präsentiert vor Ort den vielseitigsten Fritz aller Zeiten! Fritz 15 ist bereits eine Multiprozessorversion! und kann die Rechenleistung von theoretisch bis zu 2.048 Kernen gleichzeitig nutzen.

Besonders interessant ist die Auswertung Ihrer Spielstärke für die verschiedenen Phasen der Partie: wo haben Sie Ihre Stärken und wo Ihre Schwächen? In der Eröffnung, im Mittel- oder im Endspiel? Für alle drei Partiephasen bekommen Sie von Fritz 15 eine eigene ELO-Auswertung. Das sollten Sie sich unbedingt ansehen!

Was muss man machen, um sich die Varianten seines Eröffnungsrepertoires gut einzuprägen? Man muss die Züge selbst auf dem Brett eingeben. Das ist eine Idee hinter dem neuen Fritz 15.

Blick über die Bretter

Familie Adelmeyer

Familie Adelmeyer

Bei Halbzeit pflegt der Reporter ein erstes Fazit abzugeben. Aber wann ist bei fünf Runden die Hälfte erreicht? Wir haben uns für die Zeit entschieden, während die dritte Runde lief.

Volle Punktzahl? Nicht mehr in der schienbeinharten A-Gruppe! Dafür kreuzten zu Beginn der Runde 3 am Sonnabendmorgen gleich sechs Spieler der A-Gruppe mit 1,5 Punkten vor dem Wind. Aber selbst wer jetzt verliert, kann am Ende noch immer 3,5 Punkte erzielt haben und dürfte damit (ohne Garantie!) vielleicht und womöglich unter den ersten Sechs und damit im Finale dabei sein.

Im Studio B ist alles viel einfacher. Vier Spieler nach zwei Runden mit je 2,0 Punkten, das ist doch eine klare Aussage. André Wiege, Dr. Marco König, Ralf Schöngart und Joachim Breitfeld spielen jetzt miteinander Schach und am Ende wird es in dieser Gruppe eben maximal noch zwei Spieler mit 100% geben - während zugleich die von hinten Kommenden nach vorne hin aufschließen werden.

Die Vitamin-C-Gruppe hat acht Spieler vor der 3. Runde mit den magischen 100% - ach, Du möchtest nicht, dass ich die jetzt einzeln aufzähle, weil man sich die Namen sowieso nicht merken kann? Du, mein Leser, bist ein ergebnis-orientierter Typ? Wir in der Redaktion genießen ja eher den Weg hin zum Resultat, aber bitteschön ... der Kunde ist König. Und wurde noch nicht matt gesetzt.

In der D-Gruppe sind es sechs Spieler mit den, naja, Du weißt schon, 100% vor Runde 3, darunter mit Susan Reyher eine Dame. Eigentlich besteht ja gar kein Grund, das besonders hervorzuheben, auf die Berufe oder Haarfarbe oder sonstige "nichtsportliche" Merkmale der Spieler gehen wir sonst ja auch nicht ein, aber nun steht es eben mal hier. Das wegzuradieren ist schwierig. Aber die Familie Adelmeyer sticht hervor - von vorne und hinten!

Manches wird immer weniger. In jedem Fall die sieben Spieler der E-Gruppe und die dreizehn (!!) der F-Gruppe mit den bewussten 100% vor Runde 3. Die Spieler mit gleicher Punktzahl werden bekanntlich gegeneinander gelost und in jeder Partie gibt mindestens einer der beiden Spielpartner mindestens einen halben Punkt ab, so dass am Ende des "Spielpaarungs-Tunnels" eben immer weniger Wettkämpfer mit der perfekten Punktausbeute vorhanden sein können.

Eine davon ist in der F-Gruppe noch die mit ihren langen, blonden Haaren optisch auffällige Kristin Dietz vom Reideburger SV 90 Halle, DWZ 1226. Die 10jährige hatten wir an Rang 11 gesetzt und sie agiert nun "vorschriftsmäßig" erfolgreich an Brett 6 - in Runde 3 mit Schwarz (psychologisch angeblich eine Siegerfarbe ...) gegen Kai Boll.

Der Magdeburger Gentleman zahlt - und weint auf der Toilette

Der blasierte Curt "Kuddel" von Bardeleben (1861 - 1924) hatte zwar seinen Lebensmittelpunkt in Leipzig und Berlin, entstammte aber einem alten Magdeburger Adelsgeschlecht. Wer gegen ihn oder auch gegen den ähnlich gestrickten englischen "Weltmeister" Howard Staunton (1810 - 1874) gewann, zog sich mindestens deren lebenslängliche Missachtung zu.

Dem reichen Magdeburger Erben von Bardeleben mangelte es trotz auskömmlicher Kassenlage offenbar erheblich an Selbstbewusstsein - und damit an angemessenen Umgangsformen. Als er seine berühmte Partie mit Wilhelm Steinitz, Hastings 1895, nicht mehr halten konnte, vermochte er "ich gebe auf, gratuliere!" nicht über die Lippen zu bringen, für einen Handschlag reichte es bei ihm auch nicht, sondern er ließ die schriftliche Erklärung der Partie-Aufgabe durch einen Boten übermitteln, nachdem sich Kuddel zuvor wortlos aus dem Turniersaal entfernt hatte. Man stellt sich da stets einen Mann im dunklen Mantel mit hochgeschlagenem Kragen vor, der schweigend in die regnerische Nacht hinaus stapft, obwohl man darüber gar nichts Genaues mehr weiß. Heutzutage jedenfalls würde ein Spieler vom Schiedsrichter für ein solches Verhalten wohl mindestens angezählt werden.
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1328464

Herzlichen Glückwunsch!

Nämlich an jene Jubilare, die hier in Magdeburg zum zehnten oder zum fünfundzwanzigsten Male ein Qualifikations-Turnier mitspielen und an jene, die während des Magdeburger Turniers Geburtstag hatten. Das sind Bernd Holze (SV Rochade Magdeburg), Ralf Schnapke (MTV Dannenberg), Harald Haug (SV Jedesheim) und Nick Schulze (SV Rochade Magdeburg). Obwohl ihr nun ein Jahr älter geworden seid, habt Ihr Euch gar nicht allzu sehr verändert.

War das nun schon ein jeweils freudiges Ereignis, kommen wir jetzt zu den Jubilaren, die dafür auch etwas tun mussten: Anmelden, Ticket kaufen, Koffer packen, anreisen usw.

Einen bronzefarbigen Springer für das Revers haben für die zehnte Teilnahme an einem DSAM-Qualifikationsturnier (Finale werden hier nicht zugezählt) die folgenden Schachfreunde vom DSAM-Team als ein kleines Dankeschön erhalten:

Jubilare 10x dabei

Ina Albrecht, SF Turm 2000 Wahrburg, Gruppe F
Joachim Breitfeld, Schönebecker SV, Gruppe B
Joachim Bryx, Zeitz, Gruppe D
Christine Giebel, USC Magdeburg, Gruppe C
Andreas Graetsch, SV Winsen (Luhe), Gruppe C
Dr. Michael Hartlep, SC Braunschweig Gliesmarode, Gruppe E
Karola Kaspschak, Sf Barsinghausen, Gruppe E
Claudia Meffert, USC Magdeburg, Gruppe C
Mario Müller, USC Magdeburg, Gruppe C
Tobias Röhr, USV Potsdam, Gruppe C
Bernd Rump, SV 90 Havelberg, Gruppe D
Peter Schmidt, Kieler Schachgesellschaft, Gruppe B
Christian Schramm, SF Mühlenberg, Gruppe E
Mario Wagner, ESV 1888 Wittenberge, Gruppe D

Aber es geht sogar noch besser, nämlich der silberfarbene Springer für die fünfundzwanzigste Teilnahme. Die folgenden Spieler wurden geehrt und wir danken allen ganz herzlich, ob Bronze, Silber oder Gold, für die oftmalige Teilnahme. Es handelt sich um diese schachlichen Recken:

Jubilare 25x dabei

Eric Ahlers, SF Turm Wahrburg, Gruppe C
Klaus Schöler, TSG Mutterstadt, Gruppe D
Hans Schwarz, SV Rochade Magdeburg, Gruppe B
Andreas Thomas, SC Wrist-Kellinghusen, Gruppe C

 

Schach im Netz - Ja, wir sind schon drin!

Allerorten hört man Klagen, wie schwer es doch sei, "nun gerade Schach in der Öffentlichkeit unterzubringen". Das ist natürlich Unsinn. In Deutschland spielen knapp 100.000 Menschen jeden Alters in den Vereinen organisiertes Schach - und vielleicht zählst Du mit dazu. Vergleichbar große Sportarten, durchaus auch olympische, finden eher weniger Beachtung als wir.

Wann hast Du zuletzt in Deiner Tageszeitung etwas über ein Turnier der Korbballer, der Schützen, der Turner gelesen? Hast Du vielleicht auf youtube einen Knaller-Beitrag über die Ringer, die Bob-Fahrer oder sonstige "Randsportler" genossen? Nun, allein die DSAM wurde gestern vom Magdeburger Fernsehen MDF1 gefilmt (der Beitrag wird im Lauf der Woche gesendet werden), zwei Tageszeitungen stellten ihren Lesern das Turnier vor und youtube ... schauen wir mal:

https://youtu.be/qd_52JpotYQ

https://www.youtube.com/watch?v=7tR3QDqbpZI

Auch am Ende schöne Leistungen in allen Gruppen

Ergebnis melden und den Jubel vor den Zuschauerrängen ... draußen auf dem Parkplatz. Wir sind ja der stille Sport. Vielleicht galt der Jubel auch der vorzüglichen Leistung der Küche des Magdeburger RAMADA-Hotels, was man ja auch einmal sagen muss.

Jedenfalls: Bei der Ehrung der Sieger sollte man - zumindest in der DSAM! - immer persönlich anwesend sein, denn sonst gibt's nix. Keinen Pokal, keine Urkunde, kein ChessBase-Silberling, gaaaar nix. Vor allem aber ist eine Ehrung der Sieger der Ort und die Gelegenheit, an der die Schachsportler diejenigen aus ihrer Mitte ehren, die diesmal ein wenig (oder viel) besser waren als ihre Mitstreiter. Dabei anwesend zu sein und zu applaudieren, ist auch eine Frage des Respekts gegenüber dem Sportkameraden. Also: Hier wird einem nichts nachgetragen, auch kein Preis und jemand anderem wird auch nichts mitgegeben.

Und schon befinden wir uns bei der Ehrung der Sieger

Der Autor ganz hinten, denn der kann ja gar kein Schach, die anderen halt weiter vorne. Der erste feststehende Sieger, der Erste seiner Gruppe, der König der Magdeburger, das ist der strahlende Sieger der D-Gruppe, das war und ist "the one and only" Malte Hundrieser. Aber ich soll den Überblick wahren, also geht's hinten los.

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Jannik Nietzold

Jannik Nietzold

Für die F-Gruppe erhielten wir früh die Nachricht: "Gruppe F. Jannik Nietzold, Magdeburg. Ist mit 5,0 Punkten durch", erfuhren wir um 10:41 Uhr, "gewonnen gegen Anke Schönfeld." Von der Idee, dass hier bei der Arbeit früh morgens womöglich ganze Sätze übermittelt werden, sollte sich der Leser trennen. Aber: Donnerschlag! 100%, das war ja von dem vereinslosen Magdeburger geradezu ein Husarenritt durch den Turniersaal! Neben ihm trugen Gustav Jäger und Kristin Dietz ihre Partie um den zweiten Platz aus, während Brett 3 & 4 Wettkampfstätte eines echten "Familienduells" waren:

Mikayel Khanbekyan - Julius Pietsch
Areg Khanbekyan - Frank Pietsch

Zurück zu Meister Nietzold, der noch 2004/05 für Varrel. 1 in der Bremer B-Jugend vorwiegend an Brett 1 mit 4/5 punktete, später in Bremen Physik studierte und hernach vom Irgendwo des deutschen Alltags verschluckt wurde - bis, ja, bis er eben genau hier in Magdeburg wieder zwischen a1 und h8 auftauchte - hoffentlich jetzt für länger.

Anke Schönfeld freute sich über den zweiten Platz, den sie mit 4,0 Punkten erstritt und die bessere Feinwertung "davontrug", nämlich vor den bis zum neunten Rang folgenden, punktgleichen Spielern. Sie ist damit als beste Dame dieser Gruppe im Finale dabei. Natürlich gleichfalls für das Finale qualifiziert sind die Plätze 2-5, hier in der Fein-Reihung Siegfried Hoffmann (Magdeburg), Julius Pietsch (Halle), Gustav Jäger (Magdeburg) und Christian Schulz (Wolfenbüttel).

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Die E-Gruppe feierte Uwe Fröschke (Engelsdorf) als Sieger, der 4,5 Punkte erzielte. Die Spieler bis einschließlich Platz 5 kamen auf je 4,0 Punkte; in der Reihung der Feinwertung waren das Sascha Schillig (Stendal), Jan Ducke (Halle), Klaus Dworatzek (Rüdersdorf) und Tobias Morgenstern (Schachzwerge Magdeburg), gefolgt von Dr. Michael Hartlep (Braunschweig) mit 3,5 Punkten. Beste Frau dieser Gruppe wurde Ditte Müller aus Rostock.

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In der Gruppe D nehmen wir die Notizen der Deutschen Schachjugend zu Hilfe, denn die weiß fast alles. In diesem Fall verrät sie uns anlässlich der "ODJM A 2015" (Offene Deutsche Jugend-Meisterschaft, Gruppe A in Willingen), dass der 2004 geborene Malte Hundrieser für "Roter Turm Halle" spielt, jedenfalls in jenem Turnier eine DWZ 1619 und Elo 1659 hatte und dort auf nationalem Niveau schöne 4,0 Punkte erspielte.

Der Rote Turm hat nichts mit einer in Polit-Farben angepinselten Schachfigur zu tun, sondern ist ein Wahrzeichen der Stadt Halle. In deren Vereinsmeisterschaft nimmt mit den "Clans" der Pietsch und Adelmeyer das Wort "Familienschach" reale Form an, und unser Held Malte wurde nach einer Niederlage in der letzten Runde (gegen den dann Clubmeister) Sechster. Hier an der Elbe lief's besser für den Malte als an der heimischen Saale, denn mit 4,5 Punkten gelang ihm der großartige Gruppensieg.

Nach dem aufgekratzten Sieger reihten sich vier Spieler mit je 4,0 Punkten ein, nämlich in der Reihenfolge ihrer Feinwertungen Matias Lazarte (Wittstock), Mario Uecker (1860 Magdeburg), Marian Lösche (Ottersleben) und als Fünfter Timo Traulsen aus Hannover. Der weiter Finalplatz ging an den Sechsten, Lutz Reichert von den Königsjägern Süd-West - nicht Afrika, sondern Berlin-Zehlendorf. Mit schönen 3,0 Punkten wurde Heike Könze aus Grimma beste Dame dieser Gruppe: Das ist ein Final-Ticket.

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Detlef Zoll

Detlef Zoll

In der großen C-Gruppe gibt es mit Detlef Zoll (Eberswalde) einen klaren Sieger: 4,5 Punkte, ein halber Punkt Vorsprung vor dem Zweiten, ein rundes Turnier. Die bis zum achten Rang führende Kolonne der Spieler mit 4,0 Punkten erfoderte wieder die Feinwertung und die ergab für Platz 2-6 folgende Reihung: Dr. Olaf Töpper (Eutin), Tobias Niesel (Porz), Arne Jeß (Fred. / Vogelsd.), Tobias Röhr (Potsdam) und der vereinslose Mark-Andreas Jung (Hannover). Beste Dame wurde Stephanie Rudolph, Friedrichshagen, mit 2,5 Punkten.

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Die B-Gruppe meldete: "Buxtehude gewinnt!" Ralf Schöngart kommt von dort, erspielte sich sagenhafte 4,5 Punkte und war damit Erster. Michael Schmitt vom Lister Turm (Hannover) lag mit einem halben Punkt Rückstand dicht dahinter: Ein sicherer zweiter Platz.

Die Spieler bis zu Rang 10 haben alle je 3,5 Punkte erstritten, aber es qualifizieren sich bekanntlich nur die ersten sechs für das Finale, so dass einmal mehr Bruno Buchholz mit seiner Feinwertung eingesetzt werden musste, die inzwischen von der FIDE - von vielen Spielern unbemerkt - besonders im Zusammenhang mit kampflosen Partien oder aussetzenden Spielern weiter verfeinert wurde. Im Kopf kann man jetzt endgültig gar nichts mehr berechnen.

Dr. Marco König (Burg), André Wiege (Hildesheim), Daniel Müller (Biberach), Siegmund Kolthoff (Brelohe), das ist - auch dadurch - die Reihung von Platz 4 - 6. Aber eine fehlt noch, nämlich die beste Dame dieser Gruppe. Lara Schulze vom SK Lehrte eroberte mit 3,0 Punkten das Damen-Final-Ticket.

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A-Gruppe. "Ihr dürft nicht vergessen, die Ergebnisse einzutragen" wagte der Autor den Schiedsrichtern um 12:11 Uhr zu sagen. "Machen wir schon. Die spielen aber alle noch." Das war um diese Uhrzeit in der letzten Runde der A-Gruppe noch nie da: Kampfschach. Und als dann das Ergebnis kam, war es eine statistische Sensation: Der Erste der Setzliste, der Münchner Mathematiker Thomas Höfelsauer, gewann am ersten Brett mit Schwarz seine Partie gegen Thomas Schunk. Beide spielten bereits mit je einem halben Punkt Vorsprung vor der "Meute", der Sieger war also sicherer Sieger der A-Gruppe ... und damit war der zu Beginn des Turniers noch als äußerst selten ermittelte Fall eingetreten, dass der Erste der Setzliste dann auch tatsächlich seine Gruppe gewann.

Diese ganz unwahrscheinliche "statistische Sensation" gelang nun einem, der sich an seiner Münchner Universität mit der Lehre über Wahrscheinlichkeiten befasst, darüber schreibt, lehrt, redet, ... wir verneigen uns in Ehrfurcht vor Thomas Höfelsauer. In der Regionalliga Süd-West ist er für seinen Club München-Südost unterwegs.

Wilfried Woll (Greifswald) gelang ein schönes Turnier und mit 3,5 Punkten der alleinige zweite Platz. Ihm folgten fünf Spieler mit 3,0 Punkten, aber für das Finale qualifizieren sich nur die ersten sechs. Zwei kennen wir schon, also jetzt die folgenden vier: Jan Wöllermann, Thomas Schunk, Christoph Helmer und als Sechster Ruprecht Pfeffer (ESV Lok RAW Cottbus). In dieser Gruppe gab es keine weibliche Teilnehmerin.

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