Logo Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft · RAMADA Cup 6³
Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft
RAMADA Cup 6³   2013/2014

Qualifikationsturnier Brühl-Köln

28. Februar bis 2. März 2014

Turnierinformationen:

Rangliste:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F

Teilnehmer:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F

Spielort:

RAMADA Hotel Brühl-Köln

Ralf Mulde berichtet aus Brühl-Köln

Die närrischen Spiele sind eröffnet

360 Spielerinnen und Spieler fanden sich im RAMADA-Hotel zusammen, um im Zentrum des Karnevals das schon dreizehnte Qualifikations-Turnier der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft in Brühl zu spielen. Und sie waren wieder alle da: Die über uns wachende Schachgöttin Caissa sowieso (irgendwann wird die sich mal bei denen rächen, die unter ihren Augen Partien verpatzen ...), aber vor allem: Heinz Jung, der zweite stellvertretende Bürgermeister der Stadt Brühl, Ulrike Güttler-Lieven, Direktorin des RAMADA-Hotels zu Brühl, Ralf Niederhäuser, Präsident des Schachbundes Nordrhein-Westfalen, Walter Pungartnik, Referent für Breitenschach des Deutschen Schachbundes, Friedhelm Heuser, Präsident des Brühler Schachklunbs, die Vertreter der örtlichen Tagespresse, flankiert vom Turnierpersonal, wie immer als ″Chef d'Equipe″ Dr. Dirk Jordan.

Der erfreuliche Andrang erzwang eine Neuerung. Das ist wie am Brett, manchmal muss man einfach neuern. Bei den Spielern geschieht das allerdings oft, weil ihnen die gängige Theorie eben gerade nicht gängig bzw. erinnerlich ist. Das DSAM-Team hingegen neuerte planvoll und belegte diesmal den Pavillon als eine Art Hotel-Anbau mit einigen Partien. Die Alternative, die Bretter an der Straße aufzubauen, bis sie von einem der Karnevals-Umzüge abgeräumt würden, wurde erwogen, aber leider verworfen – im Sinne des ″Public Relation″ ist das natürlich zu bedauern. Die Spieler hätten dann eine dieser kleidsamen roten Pappnasen erhalten, für nette Fotos wäre gesorgt gewesen.

Ulrike Güttler-Lieven & Heinz Jung

Aber auch so war's lustig! Der stv. Brühler Bürgermeister Heinz Jung bestach durch Fachkenntnis. ″Schach hat in Brühl eine lange Tradition und Clubpräsident Friedhelm Heuser vom hiesigen Brühler Schachklub 1920 ist ja geradezu eine Verkörperung dieser Erfolgs-Geschichte! Friedhelm dient seinen Spielern seit mehr als zwanzig Jahren als Präsident.

Unser Brühler SK 1920 spielt diese Saison in der Regionalliga sehr gut mit. Weil die Konkurrenz mit "Aufwärts Aachen" und dem "Kölner SK Dr. Lasker" diesmal stark aufspielte, könnte sich der Aufstieg doch noch ein wenig verzögern; aber wir von der Politik drücken Ihnen weiter die Daumen - und Sie drücken die Uhren.

So wie der Posten von Verbandspräsident Niederhäuser, aber auch der von Herrn Shahin, des Turnierleiters des Brühler Schachklubs, handelt es sich jeweils um ein Ehrenamt. Manchmal handelt man sich bei so was mehr Amt als Ehre ein und darf jedenfalls gewiss sein viele, viele unbezahlte Stunden arbeiten zu dürfen, das Ganze auch gerne mal nachts, da sieht es dann ja keiner ... Tatsache aber ist, dass das Schach, der Sport, die Politik und die Gesellschaft insgesamt ohne die vielen Heusers, Jordans, Niederhäusers und Shahins schlicht nicht funktionieren würde. Dafür danke ich Ihnen.

Die Rede von Hoteldirektorin Ulrike Güttler-Lieven war hinreißend und verdient, der Nachwelt erhalten zu bleiben:

 

Im Rheinland ist nun Karneval,
man lacht, singt, tanzt jetzt überall.
Die Musik spielt und es ist laut,
wenn Pitter auf die Trommel haut.

Ganz Rheinland? Nein, da gibt’s `nen Fleck,
da ist man derzeit gar nicht „jeck“!
An diesem einen Ort in Brühl
spiel man ein königliches Spiel.

Hier im Hotel sind ohne Frage,
was ganz beson`dres diese Tage:
Es geht schon los mit Ihren Sitzen,
da müssen wir schon ziemlich flitzen,
und für Sie Tisch und Stühl’ besorgen,
die wir uns dann von Hürth ausborgen.

Planung, Aufbau, schon geht`s los
mit Damen, König, Bauerntross.
Fast 400 Mann, und kaum ein Ton,
nur ganz geballte Konzentration.

Und jedes Jahr, es kommen mehr…
da fällt`s Herrn Jordan wirklich schwer,
den Meldestopp früh einzuräumen,
denn er möcht gerne weiterträumen,
von 500 Spielern, großem Rekord
im Schach-Amateurmeisterschafts-Sport.

Herr Dr. Jordan hat`s im Sinn,
das kriegten wir auch wieder hin…?

Die Rederei ist gleich vorbei,
dann geht er los der Cup hoch 3.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leut‘,
ne tolle Schach- und Karnevalszeit!

Alaaf!

Verbandspräsident Ralf Niederhäuser hielt eine Büttenrede, die – wie jede gute Proklamation von der Bütt – doch auch einiges ernst gemeinte enthielt; hier ging es um das Thema Doping im Schach. Spaßig war, als er meinte, dass wir alle durch das Rauchverbot dopen würden, denn seitdem sei der Sauerstoffgehalt im Saal (und damit auch im Blut der Athleten) schon um 500% gestiegen – ein klarer Doping-Fall. Wenn das der alte Lasker mit seinen stinkenden Zigarren gewusst hätte ...!

Gefreut hätte sich Mathematiker Dr. Emanuel Lasker aber nicht nur über seinen Berufskollegen Dr. Dirk Jordan, sondern gewiss auch über den launigen Vertreter des Deutschen Schachbundes, Walter Pungartnik. Schließlich waren zu Laskers Zeiten die erbitterten Kämpfe zwischen Dr. Tarrasch und Schachbund-Präsident Max Lange an der Tagesordnung, wovon ja im Meer schachlicher Wonne heute weit und breit nichts mehr zu spüren ist. Und so konnte der Württemberger – eigentlich Österreicher – Walter Pungartnik eben in lustiger Verkleidung eine humoristische Einlage abliefern, für die es anderswo so etwas wie den Deutschen Fernsehpreis gibt.

Inzwischen war es den Schiedsrichtern, dem DSAM-Allstar-Team, gelungen, alle Tische und Stühle in den Nebenräumen zu stellen, die Darstellung der Auslosungen anzupassen, alles auszudrucken und auszuhängen, flugs betraten die Schiedsrichter den Saal: Meine Damen & Herren, es ist  angerichtet. Weiß zieht.

26 Spielerinnen werden den 334 Jungs das schachliche Leben hoffentlich schwer machen; der überhaupt nicht parteiische Autor hält zu Euch! Die SG Porz ist ebenso wie der Brühler SK mit 12 Spielern – und damit dem größten Kontingent – vertreten, es folgen der SV Erkenschwick (10), Dormagen und Sülz-Klettenberg (je 8) und weitere. Sollte im Turnierverlauf einer der vereinslosen Spieler irgendwo eintreten, verschöben sich die Gewichte vielleicht noch ein wenig. Gleich fünf Kinder sind dabei, die 2005 geboren wurden, nämlich Maya Heyer, Oliver Röhr, Sarah Marx, Lenny William Müller und Jonas Gallasch; vielleicht wird's bei manchem Neunjährigen für den großen Wurf reichen.

Viel Spaß Euch allen  - und auch viel Erfolg!

Billard und Schach

Helga Helm, SG BiBaBo Leipzig

Helga Helm

Wer bei diesem Thema an Leipzig denkt, der liegt richtig, denn ebenda spielen unsere Freunde vom BiBaBo Leipzig und zwar Schach. Wer vorbeigucken möchte: Billardcafé Leipzig, diesmal nicht ″Billard um halb zehn″ sondern ″matt um halb neun″. Aber es gibt noch mehr Bezüge: Auf der neu gestalteten Homepage des Deutschen Schachbundes befindet sich auch eine Rubrik des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB, dem der DSB als Sportverband natürlich angehört.

Gefreut habe ich mich über einen Beitrag des Billard-Verbandes ″Deutsche Billard Union″ vom 25.Feb.2014. Interessant fand ich schon die Überschrift:  Billard-WM: Jeder Stoß ist eine Denksportaufgabe (Wie, Denk-SPORT? Die sind ja so ähnlich wie wir!).

Zum 25. Mal trifft sich vom 13. bis 16. März 2014 die Billardwelt in Viersen, um bei der Dreiband-Billard-Weltmeisterschaft für Nationalteams die besten Spieler zu ermitteln. Das Sport-Event in der Festhalle ist damit ein im Sport einzigartiger Dauerbrenner. (...) Zahlreiche Spieler kommen bereits seit Jahrzehnten nach Viersen. So war der deutsche Spitzenspieler und mehrfache WM-Gewinner Christian Rudolph auch schon bei der ersten WM in Viersen mit dabei. In diesem Jahr unterstützt er das deutsche Team als Ersatzspieler. „Wir kennen uns und freuen uns jedes Jahr auf ein Wiedersehen.“ Das kommt dem DSAM-erfahrenen Schachspieler bekannt vor ...)

(...) Inzwischen starten 18 bis 24 Teams. Doch nicht nur die Zahl der Teilnehmer wuchs stetig, auch die Stimmung unter den Zuschauern veränderte sich: „Am Anfang gab es bei Siegen nur kräftigen Applaus“, erinnert sich Goltz, „inzwischen steht die gesamte Halle. (...) Die Stimmung erinnert an ein Fußballstadion, viele Fans sind kostümiert, schwenken Fahnen und pusten in Tröten. Das ist Gänsehautfeeling pur.“

(Ach, gibt es da irgendeinen Unterschied zum Schach? Naja, Applaus, Tröten ... Kostümiert sind in Brühl einige, so weit also wieder alles gleich. Nur hätte man das mit den Trötenpustern bei den doch auch um Konzentration ringenden Billardsportlern nicht so leicht vermutet ... Machen die vielleicht auch nur in der Pause, außerhalb der Stoßzeit).

″Für Christoph Goltz, der für die WM regelmäßig vier Urlaubstage opfert, ist Viersen eine Herzensangelegenheit. (...) „Dreiband-Billard ist wie Mathematik. Jeder Stoß ist eine Denksportaufgabe, das wird niemals langweilig.“

(Quelle: Deutsche Billard Union)

Reißende Nachfrage an den besonderen Tagen

Verblüffend ist immer wieder, dass gerade die "Feiertags-Turniere" der DSAM auf eine reißende Nachfrage stoßen, sowohl das einen Tag vor Weihnachten als auch das einen Tag nach Neujahr und nun auch das einen Tag vor Rosenmontag, also mitten im Karneval. - Mitten drin? Ja, der Karneval besteht eben nicht nur aus den zwei Tagen des Rosenmontag, Veilchendienstag (der Aschermittwoch liegt schon in der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern!), sondern die Phase der Straßenumzüge beginnt schon am Donnerstag, mithin am Weiberfastnacht (Wieverfastelovend) - und der Karneval an sich am elften November, spätestens aber an Dreikönige, also dem sechsten Januar.

So viel also von einem ungläubigen Bremer zum Thema "Karneval für Anfänger". Ach, übrigens: Wir spielen mit der DSAM immer am Karnevalsfreitag (Süden sagt man wohl eher: am Rußigen Freitag), am Nelkensamstag und enden am Tulpensonntag mit der Ehrung der Sieger. Aber gibt's da statt Nelken nicht immer Lorbeer für den Sieger? Wurde wohl für die Gulaschsuppe gebraucht.

Zurück zur starken Nachfrage der DSAM-Turniere: Manche der vorab angemeldeten Spieler müssen dann doch absagen bzw. erscheinen einfach stillschweigend nicht vor der ersten Runde. Das kann an Krankheit, Beruf, Heirat, Lottogewinn und an anderen Lebensrealitäten liegen. Und genau das ist die ersehnte Stunde! Die im Strafraum vor dem Anmelde-Tisch Spieler, die auf solche Abpraller des Lebens hoffen, nun blitzschnell nachstoßen, sich doch noch mit pochendem Herzen einschreiben und die Kohle dafür so schnell über die Torlinie der DSAM-Kasse drücken, dass nur die Zeitlupe das Geschehen aufklären kann – oder die DSAM-Finanzchefin Martina Jordan, die jederzeit Ruhe, Freundlichkeit und Übersicht behält. Das ist eben auch der Grund, warum auch die Veranstalter immer erst dann wirklich wissen, wie viele  eigentlich mitspielen, wenn die Uhren angestellt werden.

Chessbase - Seminar für Dich. Kostenlos!

Der Sonnabend ist nicht nur der Nelkensamstag, sondern für Freunde von Chessbase ein echter ″live″ Termin; Martin B. Fischer wird zwei Seminare abhalten, das erste um 12:30 Uhr und das zweite um 18:00 Uhr im ″Pavillon 1″. Dieser Pavillon ist keiner jener Gartenpavillons, die man nun vielleicht vor dem geistigen Auge stehen hat, sondern es handelt sich um einen Anbau des RAMADA-Hotels Brühl; mancherorts spricht man vornehm von einer Depandance.

Man schreite von der Rezeption aus in Richtung Restaurant, betrete es aber nicht (ja, schade ...), bevorzuge die Tür zum Hof, lasse den kleinen Stand links souverän da, wo er eben ist, überquere die rund fünfzehn Meter und kehre in den ″linkeren″ der beiden Zweckbauten ein, über dem aus reinem Zufall das Wort ″Pavillon 1″ zu entdecken ist.

Ein echter Schachspieler hat kein Hobby. Er hat eine Leidenschaft, aber kein Hobby.

Bruno wird's schon richten

Joachim Kutzner

Joachim Kutzner

Makan Rafiee

Makan Rafiee

Der Erfinder der Buchholzzahl war bekanntlich der Magdeburger Mathematiker Bruno Buchholz, nach dem diese Feinwertung des Schweizer Systems dann auch benannt wurde. Und es war gut, dass er 1932 damit an die Öffentlichkeit trat, denn ohne eine Feinwertung ließe sich in großen Open heute schlicht keine Rangfolge der punktgleichen Spieler feststellen.

Je größer das Open, je mehr also teilnehmen, desto größer ist die Gefahr, dass mehrere Spieler am Ende punktgleich sein werden. Bevor der Magdeburger kam, wird man vermutlich Entscheidungspartien gespielt oder sich einfach mit geteilten Plätzen zufrieden gegeben haben, aber nun ist es eben anders geworden.

Und natürlich kommt auch die DSAM nicht ohne eine Feinwertung aus; fünf Runden sind halt recht wenig, um eine eindeutige Rangfolge zu ermitteln. Daran ändert sich auch im Karneval nichts. Bruno spielt also irgendwie immer bei uns mit und hat auch schon längst einen Goldenen Springer erobert. Schließlich spielen wir (mit Finals) jetzt gerade das 84. DSAM-Turnier und Bruno stand in jeder Tabelle.

Überhaupt, wie schaut's denn jetzt gerade in den Tabellen aus? Am 1.Brett der Gruppe A saßen sich Joachim Kutzner und Makan Rafiee gegenüber, beide zwei Punkte, beide acht Bauern, beide mit dem Sieger-Gen. Kreuzen beim Rentnerinnen-Treff die älteren, in jahrzehntelang genossener Feindschaft beim Tortengedeck ihre Kuchengabeln, so sind es beim Schach eben die Bauern, die, ″klock-klock″ einmal über Kreuz und dann auch gleich hopsgenommen werden. Diesmal siegten die Figuren mit dem düsteren Anzug: Makan Rafiee siegte mit Schwarz und hat nun als einziger 100%.

In Gruppe B gab es sehr, sehr viele Spieler mit noch voller Haarpracht und ebensolcher Punktzahl, alle Namen hier aufzuführen, wäre nur bedingt sinnvoll.

Schreiten wir also weiter, Bruno wird untergehakt, zur Gruppe C. Im Spielsaal sah der schachlich ahnungslose Berichterstatter, in Begleitung einer Redakteurin des bedeutenden ″Kölner Stadtanzeigers″ so manche Stellung, in der er geistig das Ergebnis notierte – und kurz später wiederum an Magdeburg denken musste: ″Auferstanden aus Ruinen ...″ Eine Partie ist eben erst dann zu Ende, wenn einer aufgibt, so weit nicht die Regeln ein vorzeitiges Ende erzwingen.

Gleichwohl: Einen klaren Zwischenstand gibt's in der C nicht und das gilt augenblicklich auch noch für Gruppe D. Wer Voraussagen treffen möchte, muss im Kaffeesatz lesen, das Hotel steht gerne zur Verfügung.

In Gruppe E endlich sieht der Rasende Reporter einen Lichtblick, den hier kann dem geneigten Leser etwas berichtet werden: Johannes Jackisch und Christian Feidel werden in Runde 4 am Arsen- & Spitzen-Brett aufeinander treffen. Beide haben drei Punkte. Die Spannung ist das, was da rund um deren Brett knistert.

In der Gruppe F weisen vier Spieler 100% auf, die treffen nun in der 4.Runde hälftig aufeinander; möglich ist also, dass am Ende nach Runde 5 genau einer im Goldstaub der 100% zur Ehrung der Sieger eilen wird, über beide Backen grinsend, ist ja klar. Und die restlichen Plätze ... nun, Bruno wird's schon richten.

Gejubelt wird auch neben dem Brett

Geburtstagskind Ron Schröter

Ron Schröter

Geburtstag hat jeder mal, klar. Aber den wenigsten ist es vergönnt, diesen Tag in der Mitte hunderter Schachfreunde zu verbringen, die mit einem jubilieren und klatschen ... und später mattsetzen. Das mit dem Matt trat zum Glück nicht sofort ein, und so konnten sich die folgenden Schachkameraden über ihren Ehrentag freuen: Ron Schröter (Gruppe E) und tags zuvor Marko Sponheim (Gruppe B). Applaus!

Damit hörte das Jubeln aber noch lange nicht auf. Dreizehn Spieler wurden mit dem Bronzenen Springer für die Teilnahme an ihrem zehnten DSAM-Turnier geehrt und Frank Pätsch (St.Pauli) und Falk Blechschmidt (Waldkirchen) erhielten sogar einen Silbernen Springer für ihr fünfundzwanzigstes Turnier: Herzlichen Glückwunsch an Euch alle!

Die Elozahl als Kristallkugel der Turnier-Ergebnisse

Rufen wir uns ins Gedächtnis zurück: Wer sind eigentlich die rating-stärksten Spieler im Turnier?

1.) FM Markus Balduan, DWZ 2253, Elo 2295, Witzhelden. Er hat momentan aussichtsreiche 2,5 Pkt.
2.) Niels Christensen (DEN), DWZ 2146, Elo 2274, Bonn Beuel, ebenso schöne 2,5 Pkt.
3.) Detlev Wolter, DWZ 2160, Elo 2271, Höntrop, 2,0 Punkte

Die zweitbeste DWZ des Turniers aber hat: Dr. Frank Hoffmeister, DWZ 2213, Elo 2231, Eppstein, jetzt 2,0 Punkte

Kleiner Hinweis zur Realität: Makan Rafiee (DWZ 2143, Elo 2162, Kasseler SK 1876) führt in der A-Gruppe noch immer mit 3,0 Punkten.

Fast alle haben eine Vereinsbezeichnung hinter ihrem Namen. Aber einer startet in der B-Gruppe schlicht für "Deutschland", nämlich Rolf Muehlens. Seine Elo-Zahl von 2071 lässt aber vermuten, dass er doch schon das oder andere Mal einen Schachverein aus der Nähe gesehen hat - wir werden ihn fragen, wann wo und warum.

Ähnlich ist es mit einem, der vermutlich unter einem Alias auftritt: Peter Müller, Bonn. DWZ 1995, dieser Mann mit einem echten Künstlernamen, der kann was! Aber warum spielen solche Jungs derzeit in keinem Club ...? Ein klarer Fall für den DSB-Referenten für Werbung & Öffentlichkeit. Noch interessanter ist aber  vielleicht unter den "Clublosen" Karl-Heinz Wesnigk aus Dortmund, der in der B-Gruppe ohne DWZ spielt, aber eben doch mit einer Elo, nämlich 1918. Bei den meisten Spielern ist es andersrum: Keine Elo, aber eine DWZ.

Lassen wir die umgebenden Flecken Bonn, Godesberg etc. weg, denn die sind ja nun mal nicht Brühl, so spielt laut Setzliste der regional beste Spieler in der B-Gruppe. Es ist Joachim Raabe vom Brühler Schachklub 1920 e.V. mit einer DWZ 1834 und einer Elo weiiiiit oberhalb von Zweitausend, nämlich 2008.

An der Spitze der Setzliste C-Gruppe zeigt der Erkelenzer Detlef "Detscho" Schott der Welt, dass auch Fernschachspieler Schach spielen können. Klar, manche Tischtennisspieler können ja auch kegeln. Aber seid gewarnt und lasst Euch von ihm die Geschichten über Cecil Purdy, über Alberic O'Kelly, über Ulf Andersson (genau, der war bei ABBA ...) und Lodda Schmid erzählen - mindestens die konnten Schach und Fernschach. Und das trifft ganz bestimmt auch auf den Fernschach-Großmeister Heinz van Kempen und den momentan erkälteten Fernschachkönner Stefan Ratznann in der B-Gruppe zu.

Blitzgott

Eilt man durch dieses herrliche Hotel, lässt man den Turniersaal und die Kaffeebar hinter sich, da sieht man sie manchmal. Und vor allem hört man sie schon fernab. Tack - Tack - Tacktack - Klack! Entweder Billard, Tischtennis oder Blitzschach und vieles spricht ja momentan für Letzteres. Wer sie sich als Vorbild nehmen möchte: In Deutschland waren bzw. sind die besten Karl-Heinz "Potzblitz" Podzielny mit 7 Einzeltiteln und Klaus Bischoff mit unglaublichen zwölf Deutschen Blitz-Meister-Ehren.

Caissa ist die von uns aus nicht völlig klaren Gründen erwählte ″Schach-Göttin″. Wie ist das aber beim Blitz? Da käme erstmal Schachfreund ″Baal Melkart″ in Betracht, der phönizische Gott der Blitze, des Donners und Regens, kurz gesagt: die Schlechtwetter-Ansage vom WDR. Dann hätten wir natürlich ″Thor″ zu bieten, das ist nicht nur der mit dem Torjubel, sondern hauptberuflich der germanische Gott des Gewitters. Seine Spezialität war Blitzeschleudern und mit Thors Hammer wurde dann auch noch der entsprechende Donner dazu verursacht: ″Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche″.

Bei all dem darf auch Dichtergott Johann Wolfgang von Goethe nicht fehlen. Der schrieb als junger Mann eins der schönsten Gedichte überhaupt zum Blitz-Thema und wagte es im jugendlichen Schwung sogar, einen Gott zu veräppeln:

"Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Diesteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!"

Musik! Zwodrei.

"Lady in Black" Frank Pätsch

Frank Pätsch

Abgesehen von der Melodie aus ″Chess″, der DSAM Traditionshymne, die vermutlich schon zu Zeiten Haydns für die DSAM vorbereitet wurde, gibt es mindestens noch eine weitere Liedzeile mit Bezug auf das Turnier - eben "Lady in Black"  (Ken Hensley, Uriah Heep, 1970). Man lese (und höre) nur die Zeile  "... And I begged her give me horses to trample down my enemy ..."

In der Tat, ein zweiter oder dritter Springer, "ein Königreich für ein Pferd!" wäre oftmals hilfreich Laut Billy Shakespeare ca. 1593 wollte Richard III. dieses Pferd angeblich nach der Schlacht bei Bosworth am 22.Aug.1485 einsetzen, als dessen Porsche streikte. Aber wir spielen nun mal in der DSAM auch im Brühler Karneval "nur" Schach und kein "ich wünsch mir was" Tandem, eingesetzt wird hier nix.

Chessbase entschleiert

Fischer war da. Er analysierte. Er zeigte den modernen Umgang mit ″dem″ Schach-Daten-Programm. Natürlich nicht der schon lange verstorbene Bobby Fischer, sondern der nur marginal weniger bekannte Martin Fischer. In zwei Vorträgen zeigte er einige Partien, ″was sollte Weiß denn jetzt auf -Th8 spielen?″ und weihte sein Publikum in einige Funktionen von Chessbase ein.

Die Hamburger Firma Chessbase ist seit ungefähr hundert Jahren Weltmarktführer auf dem Sektor der Schachsoftware. Die Entschleierung mancher Geheimnisse des Programms (fragt sich, warum man denn überhaupt erst den Schleiermacher an der Alster eingestellt hatte) fand mittags und nachmittags in einem der Pavillons am Hotel statt, wo alle ihre Ruhe hatten.

Die Spiele sind beendet

A-Gruppe

Der dänische FM Niels Christensen, 1971 geboren, Elo 2274, wurde Meister der A-Gruppe im Brühler Qualifikations-Turnier der DSAM! Ein recht flottes Weiß-Remis in der Schlusskurve gegen Sascha Mohaupt genügte ihm, um am Spitzenbrett aus 3,5 Punkten schöne 4,0 Punkte zu machen und so mit Lorbeer umkränzt zu werden. Das Zeugs war aber gerade in der Küche ausgegangen, so dass wir dem Meister doch lieber die vorgesehene Springer-Skulptur als Siegestrophäe überreichten: Herzlichen Glückwunsch!

Sensationell aber ist die Leistung von Joachim Kutzner (Schachclub Erkrath 1973, Elo 2108), der als Letzter, mithin Dreiunddreißigster in diese Gruppe gestartet war und nun im Brühler Karnevalsturnier den ganz großen Wurf landete. Im Turnier zu Bad Soden 2013 überreichten wir unserem Schachfreund einen Bronzenen Springer für die zehnte Turnierteilnahme; vielleicht war das auch ein wenig Motivation für diese phantastische Leistung. Hauchdünn, unter Einschaltung von Bruno Buchholz und dessen Feinwertung, landete er auf dem zweiten Platz hinter dem stark auftretenden dänischen FM.

Der an 16 gesetzte Hesse Makan Rafiee (Kasseler SK 1876, Elo 2162) wurde Dritter der A-Gruppe. Er hatte immer vorne mitgespielt und hatte deshalb die beste Feinwertung aller vier Spieler mit dreieinhalb Punkten und das waren in der Buchholz-Rangfolge: Sascha Mohaupt (Wermelkirchen, Elo 2195), Detlev Wolter (Höntrop, Elo 2271) und Jürgen Wimmer (Dormagen, Elo 2183) als Sechster.

Der als Siebzehnter das Turnier abschließende, an eins gesetzte FM Markus Balduan (Witzhelden, Elo 2295) erzielte diesmal nicht den gewünschten Turniererfolg. Wir alle sind gelegentlich einfach indisponiert, so ist das eben im Sport, gerade hier im Karneval.

Und eng ging es wirklich zu! In der letzten Runde kämpfte er noch am vierten Brett, mit einem Sieg, der mit Schwarz aber offenbar nicht zu erzwingen war, wäre ihm vielleicht doch noch der Sprung nach vorne geglückt.

B-Gruppe

″In B die ersten zwei remis!″ kam die Meldung rein; gemeint waren damit die ersten Bretter der B-Gruppe. Damit war die Reihenfolge in diesem Wettkampfbereich aber noch immer völlig unabsehbar, weil viele, sehr viele Spieler mit gleicher Punktzahl gleichsam aufeinander hockten. Erst um 14:00 Uhr bekam der Autor Gewissheit über die wirklich letzten Ergebnisse.   Tatsächlich haben die ersten sieben (!) Spieler (hier folgt jetzt keine Bemerkung über Sieben Brücken, Siebenmeilen-Stiefel, Sieben Zwerge oder das nahe Siebengebirge, das würde den Artikel doch völlig versieben) Spieler das Turnier mit 4,0 Punkten beendet.

In der Buchholz-Rangfolge sind das: Martin Wecker (Godesberg) als Erster, Jeremy Moeller (Bendorf, Elo 2038) wurde Zweiter, Jürgen Kuhn (Bendorf, Elo 1946) freute sich über den dritten Platz, Dr. Ralf Spreemann (Mendig-Mayen, Elo 2019) kam als Vierter ein, Taylan Gülsen (Niederkassel, Elo 2044) wurde Fünfter und auch Martin Iseringhausen (Ennigerloh, Elo 2048) ist als Sechster für das Finale qualifiziert.

C-Gruppe

Mit sehr guten 4,5 Punkten hat Stefan Schiffer (Lendersdorf) diese ganz enge Gruppe gewonnen: Erster! Es folgten ihm nun bis zum sechsten Platz fünf Spieler mit jeweils 4,0 Punkten. In der letzten Runde gelang Achim Jürgens (Diogenes, Hamburg) mit Weiß ein Remis gegen Marius Gramb, (Brühler SK) der ebenfalls 4,0 Punkte erreichte und damit Vierter wurde. Zugleich wurde er damit bester Brühler Spieler des gesamten Turniers.

Aber noch zwischen diesen beiden platzierte sich Bernd Watermann (Barsinghausen) mit gleicher Punktzahl auf dem dritten Platz. Rolf Hassler (Hellertal) wurde Vierter. David Ramien (SG Porz) war der letzte Spieler, der in dieser Gruppe 4,0 Punkte schaffte. Der sechste Platz war, verbunden mit der Final-Qualifikation, dafür sein verdienter Lohn.

D-Gruppe

Punktgleichheit bis zum Achten! Die Gruppe der Spieler, die dieses Turnier mit 4,0 Punkten abschlossen, reichte bis zum achten Rang. Bruno Buchholz mit seiner Feinwertung war also in dieser Leistungsklasse hochaktiv.

Fatih Baltic (Aachen) spielte in der letzten Runde am ersten Brett remis und gewann damit diese Gruppe. Tobias Niesel (Porz), Jörg Hartmann (Bedburg), Frank Erdmann (Taucha - darf ich sagen, lieber Frank: ″DSAM-Urgestein″?), Alex Browning (Halver), Thomas Barth (Düsseldorf), Uwe Nilius (Lauenburg), Dennis Kagan (Porz) waren die ″Vierpunkter″; allerdings qualifizierte sich hier sogar der Neunte, nämlich Reinhard Kinnert (Witzhelden), für das Finale. Das lag ganz einfach daran, dass drei Spieler vor ihm bereits in einem der anderen Qualifikations-Turniere ein Ticket für Niedernhausen gelöst hatten – und zwar nicht am Fahrkarten-Automaten.

E-Gruppe

Christian Feidel (Waldshut) gewann in der E-Gruppe zwar seine Schwarz-Partie gegen Alexander Klein (Großwallstadt) nicht, aber das Remis genügte ihm doch völlig für die turnierentscheidenden 4,5 Punkte. Er konnte von keinem anderen Spieler mehr eingeholt werden und war damit strahlender Gewinner der E-Gruppe.

Dieser Sieg ist insofern irgendwo zwischen ″bemerkenswert″ und ″sensationell″ angesiedelt, da der für SGEM Waldshut-Tiengen spielende Schachfreund Feidel mit seiner DWZ von 1324 als Letzter (!!) der Setzliste in diese Gruppe gestartet war, also sozusagen von null auf hundert in fünf Runden.

Sein letzter Schachpartner Alexander Klein wurde mit schönen 4,0 Punkten Zweiter und Julia Havenith (Würselen) gelang der dritte Platz – wiederum kam also eine von den in Brühl teilnehmenden insgesamt 26 Spielerinnen auf einen der erstrebten ersten sechs Gruppen-Plätze, die für das Finale qualifizieren. Mit ihrem Team von der ″Sebastianusschule Würselen″ gelang ihr schon 2010 die Mittelrheinmeisterschaft. Vielleicht war dieser Erfolg in der DSAM nun ein weiterer Schritt in der schachlichen Karriereleiter.

Ihr folgten mit gleicher Punktzahl Jannis Weber (Hennef) und Jörg Schmidt (Siegen) auf den Rängen vier und fünf, gefolgt von Johann Becker (Witzhelden) als Sechstem.

F-Gruppe

Einen wahrhaft dramatischen Schlussakkord setzte die Spitzenpaarung der F-Gruppe. Beide Kontrahenten am Spitzenbrett hatten 4,0 Punkte.

In einer schwer einzuschätzenden Stellung in der Partie zwischen Jakob Bender (porz) und der an achter Stelle gesetzten Melanie Iwanecki (DWZ 1251, Turm Spellen - Spellen ist laut Wikipedia der älteste Stadtteil der Stadt Voerde am Niederrhein im Kreis Wesel) wurde die Partie zuungunsten der eleganten Spielerin durch einen "dirty trick" entschieden, mit dem der sehbehinderte Jakob Bender die gegnerische Dame, den vollen Punkt, damit ein 100%-Ergebnis und eben auch den Turniersieg der F-Gruppe einheimste. Schade, in der JEM (U18) 2013 erreichte sie noch den siebten Platz, diesmal gönnten ihr viele den großen Wurf. Dann eben bei der nächsten DSAM!

Die F-Gruppe hatten zwar um 12:29 Uhr als erste aller Gruppen ihre Partien beendet – aber die Ehrung der Sieger beginnt nun mal für alle Teilnehmer nicht eher (aber auch nicht später!) als um 14:15 Uhr. Und es sei nochmals ebenso wie schon zu Turnierbeginn betont: Es gibt für NIEMANDEN vor der Ehrung der Sieger eine Abschluss-Tabelle. Das gilt ebenso für den WDR, für den Kölner Stadtanzeiger oder auch für die Teilnehmer des Wettkampfes einschließlich der meisten Turnierleiter. Nun aber ist das ″Geheimnis″ gelüftet:

Mit tollen 4,5 Punkten folgte Florian Meinecke (St. Augustin) dem ″Mister 100%″ auf den Hacken. Als Dritter gelangte Idris Asadzade über die Ziellinie und die unglücklich agierenden Melanie Iwanecki wurde  mit 4,0 Punkten Vierte und wird damit ebenso im Finale in Niedernhausen bei Wiesbaden am Brett sitzen wie Simon Bartels (Rheydt) und auch noch als Siebte Rebecca Browning (Halver), die davon profitierte, dass Jakob Bender bereits finalqualifiziert war.

×

© Copyright 2013/2014 Deutscher Schachbund e.V.