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Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft
RAMADA Cup 6³   2015/2016

Qualifikationsturnier Hamburg

8. bis 10. Januar 2016

Turnierinformationen:

Rangliste:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F

Teilnehmer:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F

Spielort:

RAMADA Hotel Hamburg-Bergedorf

Ralf Mulde berichtet aus Hamburg

Bergedorf 2016. Viel Sturm. Viel Schach.

Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM hat ihr "Neujahrsturnier" in Bergedorf bei Hamburg gestartet und trotz stürmischen Wetters ein Zeichen für einen zu Recht optimistischen Jahresbeginn des deutschen Schachs gesetzt. Was für ein Satz ... was für ein Turnier! In sechs Leistungsgruppen dieses Qualifikations-Turniers der DSAM-Reihe sprangen 35 Spielerinnen und 399 Spieler, also insgesamt 434 siegeswillige Spieler an die Bretter. Allein die D- und auch die C-Gruppe umfassen jeweils 108 Teilnehmer, was anderswo ja schon bequem für ein ganzes Turnier ausreichen würde.

Das angenehme RAMADA Hotel Bergedorf ist nach einer Renovierung sogar noch schöner geworden und als erste Folge konnten Tische und Stühle so gruppiert werden, dass die Spieler nun noch mehr Platz haben. "Wir arbeiten aber noch weiter daran, mit dem hinzu gewonnenen Raum jedem König stets ein Fluchtfeld verfügbar zu machen", sagte Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan.

Mit dem 2009 geborenen Johannes Meusel aus Gera spielt in der F-Gruppe der jüngste Stratege des Turniers. Das Pendant dazu ist der 1926 geborene Willi Meyer aus Billstedt-Horn in der E-Gruppe als ältester Teilnehmer. Der Traditions-Club Hamburger SK von 1830 entsendet mit 37 Spielern das bei weitem größte Einzel-Kontingent, weit dahinter folgen als Zweite gleichauf Bille, St.Pauli und Schachfreunde mit je 14 Spielern (falls nicht doch noch ein Spätaufsteher die Statistik ruiniert).

Eröffnung des DSAM-Vorturniers in Hamburg-Bergedorf

Ein sehr nettes und kenntnisreiches Grußwort hielt als Vertreter der Stadt Bergedorf der Verwaltungsdezernent Ulf von Krenski, der auf eigene schachliche Versuche hinweisen konnte - und natürlich zur Ausweitung des Selbstversuches eingeladen wurde. Nicht nur ist Hamburg allein schon durch das weltbekannte Schülerturnier "Linkes gegen Rechtes Alsterufer" ein schachlicher Nukleus, sondern natürlich auch durch die Bundesligateams der Herren und Damen, durch die vielen Schulschach-AGs und die in der Stadt, das meint Bergedorf ebenso wie das Land Hamburg, vielfach sichtbaren schachlichen Aktivitäten.

Als Vertreter des Deutschen Schachbundes DSB ergriff der Breitenschach-Referent Hugo Schulz das Wort und grüßte die vielen, startbereiten Teilnehmer, ebenso wie das der Erste Vorsitzende des Hamburger Schachverbandes, Prof. Dr. Perygrin Warneke, mit seiner wie immer zitatengeschmückten Begrüßung tat, dem der Präsident des helfenden Vereins SC Bille, Siegfried Wölk, folgte. Das klingt alles lang und viel, war es aber nicht, denn wie immer wurde pünktlich eröffnet.

Der Falken-Aufbau

"Der Malteser Falke" ist einer der berühmtesten Krimis der Filmgeschichte, obwohl sogar der Regisseur John Huston 1941 die wirre Geschichte von Dashiell Hammett nicht verstand.

Ganz ähnlich geht es womöglich manchem Schachspieler, der eine glänzende Partie hinlegt und während des Geschehens vielleicht nicht immer den vollen Überblick hatte - geniale Selbstvermarkter wie Alexander Aljechin "bewiesen" in derlei Fällen in späterer Analyse, jederzeit alles total im Griff gehabt zu haben und werteten dann schon mal keck mit "eine Partie aus einem Guss". Und Du weißt, dass Du als Schachgott am Ziel bist, wenn auch Dir so was durchgelassen wird.

Bergedorf, also ein Dorf mit Berg?

"Wo sind hier eigentlich die Berge?" ähnelt der Frage des Süddeutschen "wo geht's denn hier zum Strand?", weil natürlich alle Hansestädte direkt am Meer liegen müssten. Aber der Name Bergedorf ließ uns in Bezug auf das Gebirgsmassiv - in memoriam Luis "auf geht's Bursch'n!" Trenker - nicht ruhen. Tun wir ja sowieso nicht. Eine klare Antwort, warum das einigermaßen flache Bergedorf überhaupt so bergig heißt, gibt es offenbar nicht. Der Ort "Bergerdorp" bestand schon 1162. Dokumente davor: Ebenso Fehlanzeige wie der Namen gebende Berg.

Eine großartige, kurze Arbeit über das Ur-Bergerdorp findet man unter < http://www.bergedorf.de/mittelalter.html >. Klar wird dem Leser hier, wie überragend wichtig die Bille (hinten mit "e", nicht "y"), ein ja doch eher beschauliches Gewässer, als Grenzfluss Stormarn / Sachsen spielte - mindestens so wie der "Rio Grande" (John Ford 1950, mit John Wayne und Maureen O'Hara). "Der östliche unfern Bergedorf in die Elbe fließende Arm der Bille wird als Hauptströmung angesehen und als Grenze zwischen dem Erzbistum Hamburg und dem Bistum Verden festgelegt".

+ + +

Bergedorf liegt deutlich außerhalb Hamburgs, auch wenn es offiziell Stadtgebiet ist und (wie bereits erwähnt) seit dem 15.Jahrhundert politisch mit zur Hansestadt gehört. Dementsprechend haben die Bergedorfer auch keine Not an Grüngebieten, um ausgiebig spazieren zu gehen. Das Gehölz ist ein altes Waldstück auf dem Bergedorfer Berg (na gut, eher ein Hügel), der an die Billeauen angrenzt und früher als Jagwald diente, mittlerweile aber engmaschig von Spazierwegen durchzogen wird, die im Osten bis nach Wentorf an die Bille heranführen. Gerade im Frühling, wenn das Blätterdach des Mischwaldes hier noch nicht so dicht und schattengebend ist, ist es sehr hübsch hier unter dem frischen Grün entlang zu wandern im Sommer hat man immerhin Schutz vor der brennenden Sonne (die aber hier im Norden nicht so ganz die Regel ist). Einziges Manko ist, das man vom Bergedorfer Bahnhof eine gewisse Vorlaufstrecke hat, bis man den Reinbeker Weg hoch geklettert ist und am Forsthaus (Einkehrmöglichkeit) den alten Wasserturm bei der Luisenschule erreicht, wo die Waldwege beginnen. Dafür ist der Weg mit der S-Bahn vom Hamburger Zentrum nach Bergedorf einer der schnellsten Zubringer in die Peripherie (keine halbe Stunde, was mit dem Auto kaum zu schaffen ist!).
http://www.yelp.de/biz/bergedorfer-geh%C3%B6lz-hamburg

Bella Figura mit Howey

Zweifellos sollten schwächere Spieler rasch ins Endspiel übergehen, denn dort sind ja weniger Figuren vorhanden, die man einstellen könnte. Eben diese Figuren, ob getauscht, eingestellt oder noch im Spiel, machen das Brettspiel für jeden sofort erkennbar. Schach wird meistens von einem Springer symbolisiert, der ist sozusagen die Trademark des Schachsports.

Dafür benutzt man zumeist irgendeine Abwandlung einer "Staunton-Figur". Durchaus nicht zu Unrecht, denn schließlich war der hochfahrende Howard Staunton (1810-1874) wohl so eine Art inoffizieller Schach-Weltmeister, noch bevor es entsprechende Wettkämpfe gab.

Tatsächlich verhielt es sich mit den Figuren wie mit dem Bismarck-Hering: Der Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) war von einem findigen Unternehmer gebeten worden, den in bekannter Art hergerichteten Fisch unter dem Namen des Fürsten vertreiben zu dürfen, was gütigst und auch vergütigst gewährt wurde; ebenso lukrativ lief es mit zahlreichen anderen Markenartikeln.

Staunton, Quelle: Wikipedia

Staunton, Quelle: Wikipedia

Die Schachfiguren wurden auch nicht von Staunton höchstselbst, sondern im Original vom Kunsthandwerker John Jacques hergestellt, möglicherweise aber auch von Nathaniel Cook, dessen Schwager John Jacques war. Cook war mit Staunton bekannt, ließ sein Gebrauchsmuster am 1.März 1849 registrieren und ab 1852 ging's nach Art des Bismarck-Herings: Die Figuren wurden in aller Welt als "Staunton-Figuren" vertrieben. Und weil die Herren mit Geschäftssinn ausgestattet waren, pries Staunton als völlig neutraler Kolumnist auch gleich in "The Illustrated London News", die Herrlichkeit dieser Figuren.

Mit geringen Abwandlungen haben die eleganten Figuren also nun schon rund 160 Jahre überlebt; es dürfte sich damit um eines der erfolgreichsten Designs der Geschichte handeln. Verirrungen wie die schon 1930 entstandene sog. "Bundesform", im Zeitgeist der radikalen Verschlankung jedes Designs auf das ratzekahl Wesentliche - die Reduktion auf Form & Funktion von "Bauhaus Corbusier" beschert uns auch heute noch monotone, graue, grauenhafte Glas- und Beton-Schluchten in tausend trostlosen, immer gleichen Städten - geriet nun auch diese Form auf die Schachbretter und wurde auch noch in den 70er Jahren fleißig benutzt. Schachclubs schmeißen ja leider nichts weg.

RAMADA Hotel Bergedorf: Wir fühlen uns wohl

Ein oft zu hörender Spruch von ehrlich um den Kunden bemühten Betrieben lautet, "wenn es Ihnen gefallen hat, sagen Sie es weiter, wenn es Ihnen nicht behagte, sagen Sie es bitte uns." Hier im Hotel haben wir - erst recht nach der jüngsten Renovierung - nichts gefunden, was wir dem Direktor Woerpel sagen müssten, also sagen wir es Euch ...

Schauen wir doch einmal nach, was alles geht. Imbiss zwischendurch - kein Problem, wie man im Foto sieht. Gelegentlich bedient sogar der Chef persönlich: Gelernt ist gelernt. Er kann also nicht "nur" schmissige Grußworte zur Eröffnung formulieren! Und das mit seinem Schach spielenden Sohn und ihm selbst haben wir uns gemerkt, die Plätze sind für die beiden im nächsten Jahr schon reserviert!

Versorgung der Schachspieler im Spielsaal mit Speisen und Getränken.

Das Hotel schreibt auf seiner Homepage: "Nur wenige Minuten von der malerischen Innenstadt Bergedorfs entfernt, begrüßen wir Sie im Ramada Hotel Hamburg Bergedorf, einem der beliebtesten 4-Sterne Hotels in Hamburg. Es erwarten Sie nicht nur moderne Zimmer mit allen Annehmlichkeiten, die Sie sich wünschen, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten ... mit Sauna, Dampfbad, Whirlpool und einem kleinen Fitnessbereich ... Bergedorfs historische Altstadt (damit ist nicht das Einkaufs-Center gemeint; um diesen Bereich entwickelte sich laut Zeitungs-Berichten sowieso eine Planungs-Debatte) ... Im Schloss befindet sich nicht nur ein sehr interessantes Museum, sondern auch ein wunderschönes Jugendstil-Café aus der Zeit der Jahrhundertwende. ..." Gewiss ist das auch ein schönes Ziel für einen kleinen Fußweg, sobald die Wetterverhältnisse das wieder einladend erscheinen lassen.

Läuft's gerade nicht so?

Es liegt am Wetter. Oder daran, dass der Pokal sowieso und nun eben auch die DSAM irgendwelche eigenen Gesetze haben mag. Was auch immer der Grund ist, in manchen Gruppen mussten wir - angemessen schockiert! - beobachten, dass dieser oder jener aus dem Favoritenkreis bisher nicht gerade ein Traumturnier spielt. Das zieht sich durch fast alle Gruppen durch. "Irgendwas ... ich weiß auch nicht ... schwer zu erklären ... ach, hör doch auf, mich zu fragen", hörte man nicht nur einen murmeln. Das kann aber durchaus an der Uhrzeit gelegen haben. "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" (Eric Malpass 1965), gilt eben nur für jene, die um diese Zeit überhaupt schon - oder noch - debattenfähig sind.

Manche am Brett sprachen sogar schon von, huch!, "Albtraum" ... Gerade eben aber sind uns leider die Namen der Spieler entfallen, auf die das oben Gesagte zutreffen mag, denn wir wollen positive Berichte! Licht und heiter wie ein wärmender Sonnenmantel sollen sie sein. Hier gibt's überhaupt nichts Negatives - und wenn doch, muss man es ja nicht erzählen. Aus dem Bericht über die dem Sieg entgegen strebenden Favoriten wird also zunächst mal nichts. Aber morgen kann ja schon wieder alles anders sein. Alles!

Aber nehmen wir ihn, den Simon-Eike Rieckers von der munteren Vor-Berliner Truppe TSG Rot-Weiß Fredersdorf/Vogelsdorf, die jeder Bewunderung wert ist. Mit einem 1756 Elo-Rating als Nr. 81 eingestuft, hat er die erste Runde verloren, die zweite aber gewonnen und ist jetzt auf Platz 52, aber geteilter Fünfunddreißigster. Sein T-Shirt von gestern hat uns gefallen.

Weil wir oben von morgens und Frühstück redeten: Die Gefahr ist ja nun nicht so groß, dass sofort alle aufspringen, alles stehen und liegen lassen und zum Rübekamp (in der Nähe des Kapstadtrings) sausen, deshalb können wir "hotelunschädlich" darüber schreiben: Es gibt noch oder wieder echte "Schach-Cafés". Da, wo das "Breitenschach", dem die DSAM ja zurechnet, seinen eigentlichen Anfang nahm, ja, mehr noch, das Schach überhaupt gesellschaftliche Durchdringung erfuhr. http://www.schachcafe-hamburg.de/index.php?id=214

"Ein Treffpunkt für Jung und Alt, Schüler und Lehrer, Arbeiter und Chef und die Omi von nebenan. Der Ort, sich zum Klönen oder Spielen zu verabreden, besonders aber natürlich auch, um große Portionen für wenig Geld zu verspeisen."

Flensburger Brüder am Brett

"... In der Defensive half jeder dem Nebenmann und zudem lief der Ball nach vorne sehr ordentlich. Bei einer Vielzahl von Chancen fand der Ball aber leider nicht den Weg ins Tor. Bis Donato Gutschenreiter in der 20. Spielminute mit einem satten Schuss den Bann endlich brach und das 1:0 erzielte. ... aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition nicht anerkannt, ehe der starke Donato Gutschenreiter, mit seinem 2. Treffer am heutigen Tage zum 3:3 den absolut verdienten Punkt ..." Das ist D3-Jugend-Fußball von Flensburg 08! http://www.flensburg08.de/aktuell/d-jugend/d-jugend2/686-d3-mit-punktgewinn-im-stadtderby

Dieser Donato G aus F hat heute die Aufgabe ... nein, von aufgeben sollte man hier nicht reden. Der 2002 geborene Donato hat heute also die Herausforderung, mit Weiß seinen Bruder Dorian, Jahrgang 2000, zu besiegen. Schon klar, andersrum kann man das auch sehen. Beide haben ein nahezu gleiches Rating und beide haben bisher 1,5 Punkte und offen gesagt: Ein frühes Remis hätte uns nicht sonderlich überrascht. Aber falsch gedacht! In der Stadt der Rum-Destillen, des Handballs und der Schnüüsch (ein Eintopf oder Suppe - klasse!) wird klarer, harter Sport geboten; für vorzeitige Remisen ist da kein Platz.

Jubel, Trubel, Heiterkeit!

Jubilare bei der DSAM

Jubilare bei der DSAM

Es ist schöne Sitte in der DSAM, sowohl die Spieler zu beglückwünschen, die ihren Geburtstag sozusagen in der Mitte des Turniersaal begehen - wo auch sonst? fragt der Schachfan -, sondern uns auch bei den Spielern zu bedanken, die durch oftmaliges Teilnehmen zeigen, dass es ihnen bei der DSAM gefällt.

Dafür erhalten diese Teilnehmer einen kleinen Springer, den man am Revers, an Hut oder Unterhemd oder am Koffer befestigen kann. Ein Bronzefarbener steht für zehn mitgespielte Quali-Turniere, ein Silberner für fünfundzwanzig und der Goldene für fünfzig.

Jeweils zehnmal am Start waren bisher:

25 DSAM-Teilnahmen: Michael Nülken

Michael Nülken

Wir freuen uns sehr über die fünfundzwanzigste Teilnahme von

Schier unfassbare fünfzigmal war und ist unser stets im unverwechselbaren "Schach-Outfit" gekleideter Freund Frank Erdmann, Taucha, Gruppe D, dabei - danke, Frank!

Es hat sich da ein kleiner Club von "ewigen Teilnehmern" gebildet. Wie ich unseren Frank Jäger kenne, wird er gewiss die Gesamtzahl der errungenen Siege dieses Zirkels errechnen können.

Eigentlich wollten alle sechs dem Frank Erdmann zur "Aufnahme in den Club" gratulieren, aber leider musste Axel Schmidt wenige Augenblicke vor dem Turnier seine fest geplante Teilnahme absagen, so dass also "nur" fünf von ihnen Spalier stehen können. - Jungs, ihr seid alle klasse!

Das gilt natürlich auch für den Bremer David Kardoeus ("Kadeus"), der gestern Geburtstag hatte! Erst stand hier ... , aber das könnte dem aufrecht und konzentriert kämpfenden Gegner gegenüber unschön wirken. Es gelang dem jungen (und ziemlich langen) Werderaner also, inzwischen zwei aus drei zu erringen und sich damit gute Chancen für einen angenehmen Turnierablauf zu erhalten. Es ist Davids erste DSAM und vielleicht kommt ja am Ende so etwas wie "kam, sah und siegte" heraus, wer weiß?

Ich bin im Fernsehen!

Das haben wir ja recht oft bei uns zu Gast, das Fernsehen. Neu ist, dass wir öfter mal bei Juhtjub zu sehen sind. Frank Jäger gelingt es hin und wieder, die Ketten abzustreifen und seinem Arbeitsplatz im Turnierbüro zu entkommen, obwohl wir ihn ja eigentlich nur zum Essen rauslassen.

Das sind jene Momente, in denen der Leipziger rastlos und hungrig den Dschungel des Turniersaals durchstreift und jene Filmaufnahmen fertigt, wie man sie früher von Sielmann & Grzimek aus Afrika gewohnt war: Menschen, Schach und Sensationen. Das neueste Youtube-Video, vermutlich auch mit Dir, findet sich nun "Mit freundlichen Grüßen - Frank Jäger" hier: https://youtu.be/5-MMjQ7zxS8

Ach, wir sind ja noch anderswo breit dargestellt worden, nämlich auf der Fach-Seite "Schachticker". Redakteur Raymund Stolze, der letzte tausendfach tätige Öff.-Referent des DSB, entwischte ebenso wie unser Jäger für einige Zeit seinem Büro, so dass er einen Bericht von uns stark "aktualisiert", also einen gekonnten eigenen geschrieben hat - der weiß einfach, wie's geht. Der geneigte Leser kann sich auf dieser Seite daran begeistern: http://www.chess-international.de/Archive/49934#more-49934

Vor der letzten Runde

Gruppe A

Thomas Kahlert, Bernd Laubsch, Wilfried Woll, Uwe Rick, Florian Kull und David Kardoeus, das sind die Glorreichen Sechs (einer fehlt für den Original-Film), die in dieser Riege mehr oder weniger einträchtig mit 3,0 Punkten führen. Aber insbesondere Jeffrey Lopez-Rojas kann mit seinen 2,5 Zählern berechtigt hoffen, noch zur Spitze aufzuschließen, schließlich spielen die Dreipunkter jetzt ja alle gegeneinander und das eine oder andere Remis ist dort nicht ausgeschlossen.

 

Gruppe B

Stephan Grochtmann hat es geschafft, in den ersten vier Runden der DSAM absolut ALLES zu gewinnen! In der jetzt anstehenden Schlussrunde losten ihm das Schicksal und pairing-officer Frank Jäger (eine schicksalhafte Verbindung) die schwarzen Figuren gegen Thomas Haase zu. Aber ebenso wie er ist Michael Keuchen ist eine aussichtsreiche Fachkraft mit 3,5 Punkten.

"Gütersloher Schachverein von 192" steht in myriaden Ranglisten des Internets, weil die alle mit dem gleichen Swiss-Chess-Programm mit den gleichen Begrenzungen arbeiten. Um die sich nun vielfach aufwerfende Frage zu beantworten: 1923 war das Gründungsjahr des Buch.. äh ... des Schachclubs. Ganz so lange ist Stephan Grochtmann aber noch nicht dabei! 1978 geboren, hat er seine Elo aktuell schon auf 2054 geliftet (DWZ 2027), aber die DSAM arbeitet eben immer mit den Daten aus dem Herbst, weil die 6 Quali-Turniere bis Finale im Frühsommer eine organisatorische Einheit bilden.

Da waren also zum Beispiel die Grochtmannschen 3,5 aus 5 im Lippe-Cup 2015 noch nicht mit aufgezählt. Einen kleinen Misserfolg findet man in der jüngsten Schachvita bei Meister Grochtmann mit den 3,5 aus 9 im "Bulgarian chess summer 2015 Golden Sands B". Der Ort heißt tatsächlich Golden Sands und eben nix mit -div oder -kov am Ende, liegt aber deutlich in Bulgarien. Ihr wollt mich doch alle nur verwirren ...

Gelegentlich sah es für unseren Gütersloher in dieser Saison nicht so dolle aus, die 1,5 aus 9 in der NRW-Klasse, 3 aus 7 im Schloss-Open und 2,5 aus 7 auf St. Pauli ... hmm ... Aber dann sind da eben auch immer wieder Rausreißer mit 5 aus 7 im Sekt & Selters oder 4 aus 5 in der Bielefelder BEM - und, wie es sich anschickt, nun eben auch in der DSAM Bergedorf 2016. Sport besteht nun mal aus Höhen und, jaja, aus Tiefen.

Eine überragende Leistung bietet in dieser Gruppe aber auch der blinde Frank Schellmann, der für den DBSB - Deutscher Blindenschachbund - spielt und jetzt auf Rang 6 der aktuellen Rangliste nach Runde 5 steht.

 

Gruppe C

Hier ist einer, der in der Setzliste gaaanz vorne gesehen wurde, noch immer sehr gut im Rennen, nämlich mit 3,5 aus 4 der Kühlungsborner Benjamin Proß. Aber gleich zwei haben es sogar noch besser hingekriegt: Artur Oganessjan, TuRa Harksheide Norderstedt, und Tobias Röhr, USV Potsdam, glänzen bisher mit, sapperlott!, 100%! Und die beiden waren lediglich an 46 bzw. 97 gesetzt - unglaublich!

 

Gruppe D

Christian Röhr! 4,0 Punkte, Bille SC, also direkt auf eigener Scholle kämpfend, DWZ 1621 bei noch sehr wenigen Ergebnissen, keine Elo, aber für erstaunliche 100% in der D-Gruppe hat's gereicht. Wer weiß, vielleicht gelingt ihm bei diesem Turnier gleich zu Beginn der Schachkarriere schon der große Wurf? Vielleicht aber auch nicht, denn mit 3,5 Punkten sind Tilo Rietschel, Sascha Fröhlich, Karsten Baldauf, Matthias Kohn, Tzun Hong Foo, Holger Priess, Stefan Herbst und, starke Frauen braucht das Land, Karina Tobianski dicht, sehr dicht an ihm dran. Acht Könner mit dreieinhalb Zählern plus Mr.100% - es ist unmöglich, von (und in) der DSAM nicht gefesselt zu sein ...!

 

Gruppe E

Falk Blechschmidt, Jannik Rothenberg, Marcel Böttcher: Das sind die Namen der drei Spieler, die mit 3,5 aus 4 führen. Der erfahrene Wettkämpfer weiß: Auch die Mitstreiter mit 3,0 Punkten haben völlig intakte Chancen, am Ende Erster zu werden. Und jene die sich auskennen denken kühl hinzu: "Für die Final-Qualifikation genügt mir ja schon der sechste Rang."

 

Gruppe F

Hier gibt es drei Schachsportler, die noch immer die berühmten 100% auf dem Konto haben, nämlich Gerald Arnold, Hannes Helbig und - für den für das Frauenschach besonders eingenommenen Reporter eine Freude - Anja Yüksel. Ein wunderbares Interview aus 2007 von "Gegenwind" lässt den Leser viel, wenn nicht gar alles, über die vereidigte Türkisch- und Kurdisch-Dolmetscherin, aber auch über manches aktuelle Gesellschafts-Problem erfahren: http://www.dolmetscher-treffen.de/interviews/interview_anja.html

Schon wieder ein Harksheider

Artur Oganessjan ist einer aus der anscheinend unerschöpflichen Talentschmiede der TuRa Harksheide, Norderstedt. Spätestens, als er am Sonntag früh mit bisher 100% im Rücken in die letzte Runde der - immerhin! - C-Gruppe ging und dort mit Weiß auf den in bisher gleicher Weise auftrumpfenden Potsdamer Tobias Röhr traf, spätestens dann also musste man hellhörig werden.

Arturs Fortschritte sind erstaunlich - vielleicht kommt das aber auch nur dem Berichterstatter als älterem Menschen so vor. Jedenfalls, im Juni 2014 bei der Deutschen Meisterschaft U12 (!) wies sein Rating noch DWZ 1573, und die Elo doch schon 1761 aus. Für ein Kind ist das allein schon klasse, aber eben doch noch kein Sesselheber.

Nur ein Jahr später blickt uns im Mai 2015 auf dem Foto der wiederum Deutschen Meisterschaft der Deutschen Schachjugend im anscheinend unvermeidlichen Willingen kein Kind mehr, sondern schon fast ein junger Mann auf dem U14-Foto entgegen. DWZ 1831, Elo 1857, auch da war ein Fortschritt zu erkennen. So sind sie eben, die Harksheider. Inzwischen war er (auch) in der Jugendbundesliga Nord 2014/2015 unterwegs, Brett an Brett mit Teodora Rogozenco, Daniel Grötzbach, David Kardoeus, Annika Polert, Spartak Grigorian, Dmitrij Kollars, ... alle sehr gern gesehene Teilnehmer der DSAM. Mit dem sich offenbar erfreulich entwickelnden Artur wird wohl auch weiter auf höheren Ebenen zu rechnen sein.

Das DSAM Turnier Bergedorf 2016 ist Geschichte

Alle haben ihr Bestes gegeben, viele eine Figur oder ein paar Bauern, wir hoffen, alle hatten Spaß und so endete auch schon das Neujahrsturnier vor den Toren Hamburgs, wie immer im kleinen, intimen Rahmen ...

 

Gruppe A (TWZ 2101 - 2300)

David Kardoeus - er kam, sah fast alles und siegte. Um 13:17 Uhr wurde es Gewissheit: Der zum ersten Mal an einem DSAM-Turnier teilnehmende, 1997 geborene Bremer gewann seine Schwarz-Partie gegen den starken Hamburger Florian Kull (von den Schachfreunden), und damit war der lange Werderaner mit seinen 4,0 Punkten plötzlich von niemandem mehr einzuholen, denn an den beiden Brettern vor ihm standen die Remisen bereits fest. Seine aktuellen Rating-Werte sind DWZ 2125 und Elo 2164 und die hat sich der hochaktive Bremer u.a. durch 16 allein in 2015 ausgewertete Turniere erspielt.

Thomas Kahlert aus Norderstedt, Wilfried Woll aus Greifswald, Bernd Laubsch aus Uelzen und Uwe Rick aus Lüneburg machten jeweils (zum Glück nicht zusammen) 3,5 Punkte und wurden damit 2.-5. Den sechsten Platz erzielte als Wertungsbester derer mit 3,0 Punkten Florian Kull, SF Hamburg. Und die Dame? Der ihr zustehende Finalplatz? Der geht an Teodora Rogozenco, die sich gegen Ende mit ihren 3,0 Punkten noch bravourös weit nach vorne kämpfte.

 

Gruppe B (TWZ 1901 - 2100)

Sieger Gruppe B: Thomas Haase

Thomas Haase

Der Bochumer Thomas Haase (DWZ 2004, Elo 2029) kämpfte sich mit dem Setzplatz 14 in imponierender Weise durch das Turnier und siegte glanzvoll mit 4,5 Punkten! Der Gütersloher Stephan Grochtmann spielte ein großartiges Turnier, zog mit vier aus vier allen davon, aber in der letzten Runde war vielleicht einfach die Luft raus. Es blieb also bei den vieren, aber er kam damit auf einen tollen zweiten Platz.

Ebenfalls 4,0 Punkte schafften die Spieler auf den für das Finale qualifizierenden Rängen 3-6, nämlich Frederik Svane aus Lübeck, Stefan Spiekermann aus Menden, Michael Kurth vom Hamburger SK und Michael Keuchen von den Schachfreunden Hamburg. "Bestfrau" wurde hier Emily Rosmait, Harksheide. Sie ist eben einfach überqualifiziert ...

 

Gruppe C (TWZ 1901 - 2100)

Artur Oganassjan gewann vor den Augen seines stets direkt neben dem Brett stehenden Vaters auch noch die letzte Runde und ist also mit 100% durch das Turnier marschiert! Aber wir wollen nicht vergessen, auch die erstaunliche Leistung von Jörg Bohner, Lübeck, hervorzuheben, der 4,5 Punkte erspielte und somit Zweiter wurde. Den beiden folgten eine Menge Spieler mit 4,0 Punkten; die Wertungsbesten unter ihnen waren auf den Plätzen 3-6 Benjamin Proß, Dr. Olaf Töpper, Stefan Tatliak (Billstedt) und Tobias Röhr. Beste Dame mit guten 3,0 Punkten wurde Christine Giebel, ebenfalls von der Elbe, aber etwas weiter flussabwsärts: Sie kommt aus Magdeburg.

 

Gruppe D (TWZ 1501 - 1700)

Karina Tobianski

Karina Tobianski

Sieger Gruppe D nach Losentscheid: Christian Röhr

Christian Röhr

Karina Tobianski aus Sasel ist nicht nur die beste Dame, sondern auch geteilte Erste dieser Gruppe geworden! Mit tollen 4,5 Punkten kontierte sie ebenso viele wie Christian Röhr vom heimischen Bille SC und Sascha Fröhlich, Bad Oldesloe. Und nun begann der Krimi. Der Mann aus Bad Oldesloe hatte die etwas schwächere Feinwertung, aber die anderen beiden waren komplett gleich! Erste und zweite Feinwertung, alles identisch. Folglich musste gelost werden. Man wirft dabei eine Münze möglichst so ungeschickt quer durch den Turniersaal, dass sie hinterher beim Aufräumen das Hotelpersonal einstecken darf ... nein, hier ging alles gut und der Glücklichere war der Mann mit dem Heimvorteil: Christian Röhr wurde Erster der Gruppe D! Vierter wurde Tilo Rietschel aus Lübeck als Bester mit 4,0 Zählern, der vor Tzun Hong Foo, Hamburger SK, und Gerrit Hourigan, Volksdorf, abschloss.

 

Gruppe E (TWZ 1301 - 1500)

Der an 3 gesetzte Marcel Böttcher (DWZ 1385) wurde allen Erwartungen mehr als gerecht. Der Altenkirchener machte mit 4,5 Punkten den ersten Platz. Ihm folgten mit jeweils 4,0 Punkten Falk Blechschmidt, Waldkirchen, Philipp Schläger, und Jannik Rothenberg, beide Uelzen, Wilhelm Hellhake, Hamburger SK und Carmen Stein, 1860 Magdeburg, die damit zugleich beste Dame wurde. Siebter wurde mit noch immer 4,0 Punkten Iwan Krüger aus Lüneburg.

 

Gruppe F (TWZ ≤ 1300)

Sieger Gruppe F: Gerald Arnold

Gerald Arnold

Hier hat die führende Anja Yüksel in letzter Minute doch noch ein wenig nachgelassen, so dass sich ihr Sohn genau vor ihr platzieren konnte. Gerald Arnold, Neuenhagen, siegte mit 4,5 Punkten vor Hannes Helbig, Sasel und Jakob Bender, Porz. Ihnen folgten die Spieler mit 4,0 Punkten und deren beste waren Baran Yüksel und Anja Yüksel, beide Bad Oldesloe und Frank Tobianski, Sasel. Die Schachfreunde Sasel haben in diesem Turnier schöne Erfolge erzielt.

 

Wir bedanken uns für Eure Teilnahme und freuen uns auf das nächste Mal! Im "Karnevalsturnier" in Brühl mussten wir bereits einen Anmeldestopp einziehen, so dass die nächste Gelegenheit für noch Unangemeldete das Turnier in Kassel vom 15. bis 17. April 2016 sein wird.

 

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