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Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft
RAMADA Cup 6³   2013/2014

Das Finale in Wiesbaden-Niedernhausen

19. bis 21. Juni 2014

Turnierinformationen:

Rangliste:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · DPEM

Teilnehmer:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · DPEM

Spielort:

RAMADA Hotel Micador Niedernhausen

Ralf Mulde berichtet aus Wiesbaden-Niedernhausen

Niedernhausen - und seitab liegt die Stadt

Die Spiele sind eröffnet!

In sonniger Idylle gelegen, auf der geraden Linie Wiesbaden - Frankfurt - Buenos Aires, befindet sich für einige Tage der Fixpunkt des deutschen Schachs hier, unweit des grauen Mains. Das RAMADA-Hotel beherbergt heuer mehrere hundert erfolgshungrige Schachspielerinnen und Schachspieler; deren mitgereiste Masseure, Eltern, Theorietrainer, Friseure, Freundinnen, Stofftiere, Rheumakissen und das Turnierpersonal gar nicht gerechnet. 

Jawohl, jede Altersklasse ist am Start, jede Schuhgröße und jede Gewichtsklasse, denn es geht hier um das Doppelschlag-Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft DSAM und des Dähne-Pokals. Offiziell heißt es "Deutsche Schach-Pokalmeisterschaft (Dähne-Pokal) (DPEM)" - spätestens jetzt wissen wir, warum es im DSB eine Menge Kürzel gibt.

Mittagsangebot

Sie alle sind dabei und niemand ist verzichtbar:

Und da sehen wir die Spieler den ersten Zug ausführen! Mit wie immer geisterhafter Pünktlichkeit gelang es dem Schiedsrichter-Team auch diesmal, alles minutiös zu starten. - - Meine Damen und Herren, ein hundertfaches Ticken und Klicken erfüllt nun das weite Rund beim Betätigen der Uhren, beim gekonnten Absetzen der ersten Figuren auf das jeweilige Brett, ein allgemeines tiefes Aufatmen ist mehr zu ahnen als zu hören, ja, die hundertfache Erregung ist spürbar hier im Maracana ... äh ... Niedernhauser Spielsaal, denn es ist nun Wirklichkeit, meine Damen und Herren, die Partien: Sie wurden begonnen!

Niedernhausener, vereinigt Euch!

RAMADA Hotel Micador Niedernhausen

Einige Verblüffung rief hervor, dass die zwei deutschen Schach-Finals ausgerechnet an einem Ort ausgetragen werden, an dem es keinen Schachclub gibt. Dafür aber immerhin ein Hotel mit gut geeignetem Spielsaal und hervorragendem Personal. Der Niedernhausen nächst gelegene Mattsetzer-Verein ist der "Turm Idstein", aber hier rund um unseren Spielsaal ist das Feld eben noch unbestellt. Solche Situationen rufen immer Aktivitäten hervor! Denn das mit "ohne Verein" kann man ja ändern. Geht ganz leicht.

Sieben braucht's für eine Vereinsgründung, aber acht für eine normale Schach-Mannschaft, dazu noch zwei bis vier als Ersatz, irgendwer ist ja immer mal krank, im Urlaub oder mit dem Nationalteam im Einsatz. Insgesamt also ein Dutzend - und schon kann's losgehen! Jetzt. Sofort. Ab hier im Turniersaal. Hier werden nämlich Nägel mit Köpfen gemacht.

Und so kommt es, dass die DSAM die nötige Erstausstattung von 8 Brettern, 8 Figurensätzen und 10 Uhren (ist wie mit den Ersatzspielern - eine ist immer mal im Urlaub) spendiert.

Also, auf Ihr Hessen! Zwei oder drei Familien in Niedernhausen wird's schon geben - und es kann sofort losgehen. Auch das jetzt ja vom Schach tiefeninfizierte Hotelpersonal, der Bürgermeister, der Sport-Verwaltungs-Leiter, der Pfarrer, die Presse, der Apotheker, ... sie alle wollen mitmachen! Auch wenn die meisten es noch gar nicht wissen. Bedarfsweckung durch Angebot, das ist die Devise!

Die Gründungszeremonie (ohne geht's ja wohl nicht, ist ja klar) dann in einem hyster... historisch einmaligem Akt vom jetzt anwesenden DSB-Präsidium vorgenommen. Und schon hätte Niedernhausen einen Schachverein. Der ja unbedingt und nötig gebraucht wird. In der Theißtalschule - Grundschule 1. bis 4. Klasse und der Kooperativen Gesamtschule - Haupt- und Realschule, Gymnasialzweig bis Klasse 9 - gäbe es dann Schach-AG's ... Im Senioren Zentrum Theißtal Aue ginge man auf Königsjagd ... insgesamt also beste Aussichten für unseren Verein!

Der ist nötig. Denn heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage! Schon nächstes Jahr. Wieder mit dem Doppelfinale der DSAM und des Dähne-Pokals, genau hier in diesem Saal. In der dann "hessischen Schachmetropolregion Niedernhausen". Und Du bist ein Teil davon. Das ist groß. Wir danken Dir. Ach, der Name des Vereins? Fragt doch mal, ob das Hotel seinen Namen damit verbunden sehen möchte; vielleicht ergäben sich da interessante Aspekte der Zusammenarbeit, nicht wahr?

Anmerkung: Der DSB wurde 18. Juli 1877 in Leipzig gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten der Philosoph Carl Theodor Göring (genau: der mit dem Gambit), der Schriftsteller Rudolf von Gottschall, der Organisator Hermann Zwanzig (nicht: Zwanziger), der Organisator Constantin Schwede und der Organisator Eduard Hammacher sowie die Schachmeister Adolf Anderssen (eine Art erster Weltmeister), Max Lange (wieder einer mit  Gambit) und Johannes Hermann Zukertort (Vizeweltmeister). - Quelle: DSB.

Jung und etwas älter in der DSAM stets vereint

Niedernhausen, Vierzehnuhrachtunddreißig und die Frisur sitzt. Nicht nur das, in der F-Gruppe waren bereits alle Partien beendet. Vielleicht geschah das, als das mit den Partien, sogar schon früher, es dauert ja ein paar Atemzüge, bis die Ergebnisse vom Schiedsrichtertisch mit dem Lastenaufzug (naja, es sind eben viele Partien!) bis ins Allerheiligste gewuchtet werden, nämlich in den Org-Raum mit dem dort verantwortlichen "Pairing-Officer" Frank Jäger. Und der klappert das Ganze in seinen Computer, lässt alles von einem Kollegen gegenlesen, um Fehler auszuschließen, donnert es mit seinen Zauberhänden ins Internet - und nun darf auch der DSAM-Texter darüber schreiben. Strenge Sitten.

Hubert Walkewitz

Hubert Walkewitz

In der besagten F-Gruppe ist es nun so: Daniel Schwarz hat jetzt Weiß. Und Matthias Schwarz auch. Nicht nur das, beide Brüder hatten ihre Erstrunden-Partien gewonnen. Eben das ist auch der jüngsten Teilnehmerin des gesamten Turniers gelungen (Applaus!!!), nämlich der 9-jährigen Antonia Ziegenfuß aus Breitenworbis (wie? Kennst Du nicht??), klein und blond, aber offenbar eine starke Schachspielerin.

Am anderen Ende der Alterspyramide finden wir Hubert Walkewitz aus Niemegk (unsere Schachfreunde scheinen gerne mal aus kleineren Orten zu kommen), der 71 Jahre älter als Antonia ist. Da kann man mal sehen, wie lange es dauert, aus der F-Gruppe in die A-Gruppe vorzustoßen ... in jene Königsklasse, in der Schachfreund Walkewitz heute ein Erstrunden-Remis abgab. Oder froh war, es zu erzielen - das müsste man ihn fragen.

Die Großartigen, oder: Schön war die Jugend

Dass Kevin Schröder, LSV Turm Lippstadt, DWZ 2138 und Elo 2123, die Nummer 27 der Setzliste der A-Gruppe, überhaupt in Niedernhausen antreten würde, hatte manch einer erst für einen Scherz gehalten. Andererseits ist ja zum Beispiel auch Antonia Ziegenfuß hier im Turnier. Beide haben nämlich gerade eben noch die Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften in Magdeburg gespielt. Durch einen Abschlusssieg hat Kevin Schröder sich mit 7,5 Punkten den Titel des Deutschen Meisters U14 gesichert!!! Herzlichen Glückwunsch! Und Antonia Ziegenfuß hat ebenda im Schlussspurt vier Siege und damit sieben Punkte geschafft - das war die Silbermedaille. Antonia ist Deutsche Vizemeisterin U10w!! Auch Dir herzlichen Glückwunsch!

Während mancher Oldie sich sagt, dass fünf Partien in drei Tagen doch eine ganz schöne Herausforderung seien, muss man sich einmal vergegenwärtigen, dass die Kinder schon neun Partien plus einer vielleicht hektischen Fahrt hinter sich haben. Aber jetzt haben die beiden natürlich überhaupt keine Chance ... oder? Najaaa ... Kevin ist momentan Dritter in der A-Gruppe, er hat 100% geholt. Das klingt bei zwei Partien noch nicht so richtig beeindruckend, aber bei diesem Vorlauf und im Angesicht der Tatsache, dass er eigentlich nur 27. werden dürfte (sollten diese Setzlisten recht haben, was aber kaum jemand glaubt) und vor allem im Angesicht des Teilnehmerfeldes, das einen Elo-Schnitt jenseits der Zwozwo haben dürfte, ist das, was Kevin hier spielt, einfach großartig. Und das wäre auch dann so, wenn er jetzt die kommenden drei Runden verlieren würde. Es ist großartig.

Und Antonia? Die kann doch nicht genauso ...? Doch. Sogar noch besser. Antonia Ziegenfuß ging als Neunzehnte an den Start, hat nach zwei Runden 100% in der F-Gruppe erspielt, führt damit die Tabelle an, und wir sind alle neidisch.

Lev Yankelevich

Lev Yankelevich

Tim Niklas Bingert hat in der DSAM bisher einen halben aus zwei. Klingt wenig? In unserer Gruppe B sind praktisch nur Zweitausender zugange! Und vor allem hat der junge Hesse in der ganz bestimmt nicht einfachen U16 der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft gerade erst neun Runden hinter sich gebracht. Noch schwerer als bei der Jugend hatte es Lev Yankelevich bei der DSAM, der gerade eben in der superschweren U18 Fünfter wurde und jetzt in unserem Turnier schon wieder 50% geholt hat.

Ganz viele wären noch zu nennen, die sowohl die Jugendeinzelmeisterschaft mitspielten als auch das Finale der DSAM; die Grötzbach-Brüder, Amina Sherif, ... aber am Ende wäre dieser Artikel nur noch eine Tabelle und das hast Du als Leser nicht verdient.

Weil es bei der Jugend recht viele Altersgruppen gibt, die auch noch in männl./weibl. unterteilt sind und wir selbst in der DSAM ja auch sechs Leistungsgruppen aufweisen, sind beide Turniere nicht leicht "übereinander zu legen". Es wäre unvermeidlich, ein Kind oder einen Jugendlichen zu übersehen. Das machen wir nicht! Also belassen wir es bei diesen Hinweisen auf die für uns besonders auffälligen Leistungen - hey, Ihr alle seid einfach großartig! Ach, sagte ich das schon einmal irgendwo ...?

Drumrum

Was sich doch so alles außen rum tut: Der Deutsche Schachbund DSB berichtet natürlich auch auf seiner Hauptseite über dieses Doppel-Turnier: http://www.schachbund.de/news/finale-der-dsam-und-des-daehne-pokals-eroeffnet.html

Auch der "Schachticker" tickert auch. Obwohl sich doch Ticki-Tacka seit gestern erledigt habe, hörte ich.
http://www.chess-international.de/

Apropos tickern: Wir waren ja schon einmal hier! Hugo Schulz und Ernst Bedau berichteten vor zehn Jahren aus Wiesbaden und schon damals ging es, ohne die gerade überstandenen Debatten kennen zu können, um die Frage : Ist Schach Spiel, Sport, Wettkampf oder sogar Glücksspiel?

 

Hugo Schulz

Hugo Schulz

Beim Finale in Wiesbaden ticken die Uhren anders

Vom Präsidium des DSB überbrachte Helmut Schumacher das Grußwort, der für das Ressort Breitensport verantwortlich zeichnet und das Organisationsteam bereits tatkräftig unterstützt. Er wünschte allen Teilnehmern Glück und Erfolg und spannende Partien.

 "Glück oder Können - was hat diese Menge an Teilnehmern nach Wiesbaden geführt? Schach ist doch kein Glücksspiel, … oder ?" begrüßt Direktor Erber vom RAMADA-TREFF Hotel Wiesbaden die Finalisten mit einem Augenzwinkern.

Bei der Begrüßung konnte sich Dr. Dirk Jordan diesmal kurz fassen, denn jeder Teilnehmer hat ja bereits mindestens an einem Qualifikationsturnier mitgespielt. Die Uhren werden daher für das Finale - nach Absprache mit den Spielern - bereits eine halbe Stunde früher als angekündigt angestellt. Damit ist diese Meisterschaft sicher wohl auch das einzige Schachturnier, das vorzeitig beginnt. Bei der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft RAMADA-TREFF Cup gibt es eben auch dieses Mal einen Superlativ.

Das Finale der deutschen Schach-Amateurmeisterschaft 2003/2004 findet im RAMADA TREFF Hotel Wiesbaden statt. Der Turniersaal ist mit Tischdecken festlich geschmückt, die breiten Tische bieten viel Platz für die 119 Finalisten.

 

Immer aber saßen diese Spieler, schon damals in stattlicher Zahl, gut aufgehoben im kommoden Hotel. Was wäre eigentlich, wenn wir die Veranstaltung nach draußen verlegten? Zumindest ein Verein macht das jedes Jahr: http://www.schach-welt.de/BLOG/Blog/WiesoFu%C3%9FballFindorffspieltSchach

Der erste DSAM-Sieger der A-Gruppe, Olaf "Tiger" Steffens, schrieb diesen netten Artikel über eine der vielen Möglichkeiten, effektiv und mit viel Spaß für Schach in der Öffentlichkeit zu werben - und das ist etwas, was unser Turnier ja auch will.

Wie sieht's eigentlich aus mit der Niedernhausener Schachclub-Gründung? Haben wir damit jetzt nach rund sechs Stunden seit Ideen-Start schon ersten Progress erzielt?

Es gibt kein Pech im Schach

Ich glaube mich zu erinnern, dass es Paul Keres war, der in seiner Partiensammlung schrieb, dass es im Schach kein "Pech" gebe, weil eben jede Unkonzentriertheit, auch in klar gewonnenen Stellungen, Teil des Spiels und seiner Anforderungen sei. Du merkst an diesem Zitat, dass Dein Texter hier noch aus jener kalkrieselnden Generation stammt, in der man Bücher las. Diese bedruckten Papierdinger zum Umblättern. - Wie auch immer; der Keres, Paulchen Panther, der hatte natürlich recht.

Schach ist Sport - und zum Sport gehört eben auch der grobe Patzer, der Fehlschuss des Bogenschützen auf kurze Distanz, der vergebene Schmetterball, das Straucheln vor dem Tor usw. In einer Partie der E-Gruppe musste ein Spieler im 37. Zug einfach "nur" richtig rum tauschen, eine Tauschaktion mit der Dame und mit Schachgebot beginnen, statt mit dem Turm und ohne Schachgebot ... das Schach bot dann im Gegenzug der Gegner und zwar als einzügiges Matt.

Jeder weiß: So was hängt einem richtig lange nach. "Hätte ich doch bloß nicht ..." - - Ja, meint denn Ihr, der Federer Rödschi dächte länger als nur ein paar Atemzüge über einen so richtig pfundig ins Aus geklatschten "todsicheren" Schmetterball nach? Also, auch im Schach gilt: Nach dem Matt ist vor der Eröffnung. Soll heißen: Die nächste Partie kommt bestimmt. Dein nächster Sieg auch. Vielleicht gerade jetzt.

Plauener Spitze

Quelle: Bundesarchiv, Wikipedia

Quelle: Bundesarchiv, Wikipedia

Manche Schacheröffnungen sieht man heute nicht mehr oft; es ist, als schmiegten sie sich neben ihren großen, modischen Brüdern in eine Nische zwischen die breiter gefrästen Rillen der computergerecht erfassten Eröffnungstheorie.

Auf meinem täglichen Weg auf der Kirchhuchtinger Landstraße komme ich an einem grauen Häuschen vorüber, das unscheinbar zwischen seine Nachbarn geduckt ist. Es hat etwas mit Emanuel Lasker zu tun.

Nie sieht man jemanden aus dem Häuschen hinausgehen oder darauf zustreben. Die über der Tür befindliche Reklame "Pollis Deckenstübchen" weist aus, dass man hier Tischdecken aller Art zu erwerben vermag. Zu keiner Zeit würde ich dort Plauener Spitze oder eine vielleicht gehäkelte, geklöppelte oder bestickte Preziose kaufen, denn ich brauche einfach keine, aber es freut mich doch immer wieder herzlich um die Existenz dieses Lädchens in der Nische.

Wer heute 1.f2-f4 spielt, bedient sich eines der ältesten Eröffnungszüge überhaupt und weiß sich gemein mit Henry Bird oder Emanuel Lasker, der übrigens bei einer solchen Gelegenheit in Amsterdam 1889 gegen Hermann Bauer das Läuferopfer auf h7 erfand. https://de.wikipedia.org/wiki/Lasker_%E2%80%93_Bauer,_Amsterdam_1889

Wer 1.f2-f4 spielt, ist also vielleicht ein bisschen so wie "Decken-Polli": Nur wenige treten damit noch hervor, aber gerade deshalb freut man sich doch, es gelegentlich im Turniersaal zu sehen. So wie heute. Manche Eröffnungen sind einfach eine liebe Reminiszenz an "Decken-Pollis" große Zeiten - und seht Euch vor, denn die macht heute noch Geschäfte und mit 1.f4 wird auch heute noch gewonnen! Vielleicht auch gegen Dich.

Ein weiteres kleines Spielerporträt

Julia Havenith

Julia Havenith

Jacob von Estorff

Jacob von Estorff

Als wir durch den Turniersaal schlenderten, fiel sie uns einfach auf, die Begegnung zwischen Jacob von Estorff und Julia Havenith, die am zweiten Brett der E-Gruppe ihre Partie spielten. Konzentriert sah das aus, klar, aber auch irgendwie vergnügt, eben mit jenem Spaß, den man an etwas hat, was man wirklich gerne tut, auch wenn es manchmal eine schwierige Sache ist.

"Besonders erwähnt werden soll hier die Leistung von Julia Havenith (SV Würselen) mit ihrem dritten Platz; vielleicht wird es bald mehr. Einige ihrer Partien ließen jedenfalls darauf hoffen", schrieben wir im Schachticker über das Turnier in Brühl 2014.

Das war im März. Und - ist es bei Julia nun schon "mehr" geworden? Kann man sagen ... Zumindest in der dritten Runde des Finales spielte die Nordrheinvandalin ja schon an Brett 2, also an herausragender Stelle! Bisher waren es 100%, die hatte aber ihr heutiger Schachpartner, der jungem talentierte Jacob von Estorff, auch schon auf seinem Konto - und der Uelzener hatte Weiß! Andererseits aber war doch Jacob der Vorletzte der Setzliste (saß jetzt aber am ersten Brett ...), so dass die Würselerin (eine Stadt der mittleren Industrie bei Aachen) jedenfalls nicht chancenlos sein würde.

 Für die "NRW JEM 2014 in Kranenburg", was heißen soll: für die "nordrhein-westfälische Jugendeinzel-Meisterschaft" (diese dauernden Abkürzungen im deutschen Schach stiften mehr Verwirrung als so manches Bauernopfer!) erhielt Julia einen Freiplatz. Warum? Wofür? Steht da nicht. Wir vermuten: Wegen großem Talent. Hmm ... Das müssen wir uns doch mal alles genauer ansehen. Julias Verein, der  Schachverein Würselen 1926, schreibt auf seiner Homepage:

"Der Schachverein Würselen hat ca. 60 Mitglieder, davon ca. 30 Jugendliche. Die Förderung der Jugend ist für uns von großer Bedeutung. Die Kinder/ Jugendlichen werden freitags in drei Trainingsgruppen betreut. Darüber hinaus bestehen Schach-AGs an einigen Würselener Grundschulen." Vorbildlich! So soll es sein! Und wenn man weiterliest, sieht man es: "Trainingsgruppe A (Trainer Michael Havenith) freitags 18-19 Uhr".

Aha! Der - vermutlich - Vater als Vereinsvorsitzender und Trainer, sozusagen ein Hometrainer. Da kann's ja nur aufwärts gehen. In der "Aachener Zeitung" baute er aber ein Warnschild auf: „Schach ist schon eine knallharte Sache“, sagt Havenith. „Im Normalfall gewinnt der Bessere." Was dem ersten Satz ja nicht widerspricht. Der gesamte Artikel ist lesenswert und spiegelt vor allem auch einen Teil der Alltagsprobleme eines normalen deutschen Schachsport-Vereins:
http://www.aachener-zeitung.de/lokales/nordkreis/schachverein-foerdert-schon-die-juengsten-im-koeniglichen-spiel-1.480482

In der Stadtmeisterschaft (B) 2013 standen bei Familie Havenith vielleicht gerade andere Themen im Zentrum und so wurde es für beide "nur" ein Mittelplatz - was aber ja nichts Schlechtes ist. Nur Sport-Amerikaner sind so verblendet, alles unterhalb des Siegs für eine Niederlage zu halten. Wir in der DSAM aber erkennen Leistungen an - auch wenn sie mal nicht vom schimmernden Glanz der Medaillen hervorgehoben werden.

Julias Rating entwickelte sich seit 2011 in erfreulicher Weise nach oben; zuletzt brachte ihr das Open in Limburg den Sprung über die 1500er Grenze. Und ihr Finale der DSAM läuft ja noch. Wir ahnen: Da geht noch was. Weiterhin viel Erfolg, Julia!

Das märkische Land schreibt über Krügers DSAM

In riesengroßen Tageszeitungen, nehmen wir die New York Times, findet man kaum Artikel, in denen mit der großen Kelle ausgeteilt wird. Man glaubt es dem (gähnenden) Leser schuldig zu sein, eine sachliche, distanzierte Sprache zu pflegen. Je kleiner die Zeitung wird, desto mehr nimmt der journalistische Drang zu, den Leser nicht nur zu informieren, sondern nebenbei auch zu unterhalten. Die "Märkische Oderzeitung" fand mit Detlef Krüger einen unserer DSAM-Teilnehmer offenbar sympathisch (wie recht sie haben!), setzte ihn ins günstigste Licht und zahlte dabei gern in angemessen großer Münze aus. Wohlan! Alles, was fürs Schach wirbt, wird gern gesehen!

< Bruchmühle (MOZ) Detlef Krüger ist Deutscher Meister im Amateurschach und bereitet sich in diesen Tagen intensiv darauf vor, seinen Titel ab heute in Wiesbaden-Niedernhausen auch zu verteidigen. "Das mit der Titelverteidigung stimmt nicht ganz, denn ich bin Deutscher Meister in der Klasse E und will nunmehr eine Klasse höher, in der D-Gruppe, auch den Titel holen", sagt der Bruchmühler, der bei der TSG Rot-Weiß Fredersdorf-Vogelsdorf als Vereinsmitglied eingetragen ist. Und seine Frau fügt hinzu: "Ich habe das nie verstanden, wie man sich so lange gegenübersitzen kann, kein Wort spricht und über irgendwelche taktischen Raffinessen und Spielzüge nachdenkt. Inzwischen sehe ich das ganz anders. Ich habe auch mit dem Schach angefangen und sage heute: Es gibt fast nichts Aufregenderes!" >

Wir fanden besonders schön, dass der Titel "Deutscher Meister im Amateurschach" völlig korrekt und selbstverständlich in die Öffentlichkeit gestellt wird. Natürlich ist der beste deutsche Spieler der B-, D- oder auch E-Gruppe Deutscher Amateurmeister, um diesen Titel spielen wir ja heute. Außerdem: Momentan gibt es zwar einige wenige (23, um genau zu sein), die in der Tabelle noch vor Schachfreund Krüger rangieren, aber das ist ja nur eine Momentaufnahme. "Weiter, immer weiter ..." sagte dazu der Strafraum-Karateka Oliver Kahn.

Hier der Artikel in Gänze, aber ohne Kahn: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1290228

Glückauf!

Katharina Schmid

Katharina Schmid

Oftmals offenbart sich beim Texter dieser Zeilen schon beim bloßen Lesen der Teilnehmerlisten ein Abgrund an Unwissen. "Glück auf" Rüdersdorf ist ein in diesem Sinne interessanter Verein. Rüdersdorf hat erstmal nichts mit Rüdesheim zu tun, so dass man vergeblich nach einem Wein-Anbau suchen wird. Der Ort liegt nämlich bei Berlin, im Märkisch-Oderland, eine Gegend, aus der viele unserer eifrigsten Teilnehmer kommen: zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) liegt unter anderem auch Fredersdorf-Vogelsdorf (was für ein Name!). Und genau hier eckt sozusagen Rüdersdorf an.

Gut, das war jetzt einfach. Aber wieso "Glückauf"? Das ist doch jener nette Wunsch der Bergleute, die in den Berg einfahren und sich aus verständlichem Grund wünschen, man möge das Glück haben, auch wieder heil aus dem Loch wieder rauszukommen. Aber rund um Berlin ist es ja doch recht flach, oder? Gibt es Bergbau ohne Berge? Ja, klar, im Kohlenpott rund um Gelsenkirchen ist's ja auch nicht gerade gebirgig. Tatsächlich sind die Rüdersdorfer Kalksteinbrüche seit mindestens 1710 in großem Stil in Betrieb.

Unsere Schachfreunde von "Glückauf Rüdersdorf" haben eine unterhaltsame Vereins-Homepage und wir erfahren dort, dass dieser Club schon 2001 vom Deutschen Schachbund mit dem ausgezeichnet wurde: Kompliment!

Schachfieber vor der Schlussgeraden

"Der Schachclub Forchheim fiebert seit Montag, 31. März, mit seinem netten Vorreiter mit:

 

Auf den letzten Drücker: FM Berthold Bartsch

Sechs Qualifikationsturniere gibt es, um das Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) im Juni in Wiesbaden zu erreichen. Nachdem der erste Anlauf im Oktober 2013 in Bad Soden für unseren Bundesliga-Spieler FM Berthold Bartsch nicht gelungen ist, hat er nun beim letzten Ramada-Cup in Kassel noch einmal alles gegeben.

Mit 4,0 Punkten aus fünf Runden wurde er ungeschlagen nur knapp vom punktgleichen Turniersieger überrundet (gegen den er remisiert hatte). Als Zweiter darf unser Ehrenvorsitzender sich über die Startberechtigung für das DSAM-Finale freuen. Drücken wir ihm dort die Daumen, dass er vielleicht seinen Coup von 2011 noch einmal wiederholen kann."

http://www.schachclub-forchheim.de/aktuelles/archives/2811-Auf-den-letzten-Druecker.html

 

Vor der letzten Runde hatte Schachfreund Bartsch mit 2,5 aus 4 einen positiven Score. Aber es gab vier Spieler mit 3,0 und einen mit 3,5 Punkten vor ihm. Nach dem Meistertitel sah es nicht ganz aus, aber nach einer sehr guten Platzierung - falls in der Schlussrunde gepunktet wurde.

Und damit sind wir dann auch schon bei einem kleinen Blick auf die Tabelle, bevor nach den bisherigen vier Runden die letzte Runde startet:

In der Gruppe A, dem A-Tean, gibt's einen alleinigen Anführer, nämlich Michael Schulz, SC Empor Potsdam (2228) 3,5 Punkte.

In der Gruppe B wundern sich alle über die unfassbare Leistung von Dr. Martin Ploog, SF Hannover (2064), der hat nämlich bisher einen Durchmarsch hingelegt! Drei Spieler mit 3,5 Punkten hinter ihm sind aber keineswegs chancenlos, sich am Ende den goldenen Lorbeer um die Stirn schrauben zu dürfen.

Ganz ähnlich ist die Lage in der Gruppe C; Stefan Schiffer, SV Lendersdorf (1875) hat das Feld bisher förmlich überrannt, mit 100$ zwei Spieler hinter sich gelassen, die nun mit 3,5 Punkten auf ihre Gelegenheit warten.

Und auch in der Gruppe D gibt's einen mit dieser magischen 4,0-Leistung! Christian Rahmen, SG Porz (1634) hat seinen Gegnern zu wenige Tipps gegeben und steht nun alleine da - nämlich allein an der Spitze. Arno Feiden, SV Königsjäger (1635) hat als einziger 3,5 Punkte, so dass wir in dieser Gruppe nun ein "Finale im Finale" erleben, weltweit live übertragen! Der Porzer hat Weiß.

Der Riecher des Reporters erwies sich erstmals als richtig: Jacob von Estorff, Post SV Uelzen (1336), ignorierte in der Gruppe E die Setzliste, auf der er als Vorletzter geführt ist (muss ein Versehen sein ...), startete statt dessen durch und hat nach der vierten Runde 100%!!

Es ist schon richtig toll, was manche Kinder und Jugendliche hier zeigen. Hinter Jacob rangiert Jannis Weber mit 3,5 Punkten, der sich ganz richtig sagen darf: Zu Ende ist hier noch gar nichts. Die beiden spielen jetzt gegeneinander, dahinter kommen Spieler mit 3,0 Punkten, einer der beiden wird also nun Deutscher Amateurmeister werden.

Veranstalter sind immer froh, wenn einer der Lokalmatadoren "etwas holt". Und auch, wenn ein Mädchen vorne landet. Beides lässt sich in Tageszeitungen gut aufbereiten, die wegen des natürlichen Leser-Interesses auf den "regionalen Bezug" angewiesen sind.

In der Gruppe F habt Ihr (bisher...) beides wunderbar hingekriegt! Die Brüder Daniel und Matthias Schwarz aus dem gleich nebenan gelegenen Idstein sind vor der letzten Runde mit je 3,5 Punkten Erster und Dritter. Zwischen ihnen rangiert die schon mehrfach erwähnte Antonia Ziegenfuß. Und der Vierte Helmut Utz, Wassertrüdingen (eine Stadt im äußersten Süden des Landkreises Ansbach in Mittelfranken / Bayern) weist die gleiche Punktzahl auf. Antonia hat jetzt Weiß gegen Daniel, während Matthias die wachsweißen Figuren gegen den Bayern führen wird.

Schlussrunde

Noch einmal möglichst gut schlafen, danach Kaffee, Brötchen und Vitamin-Säfte in der Boxengasse beim Hotelfrühstück genießen und dann START! und Sieg in der entscheidenden letzte Runde. Das war der Plan. Den hatten aber viele. Man muss kein Mathematiker sein, um zu wissen: Wer nach der letzten Runde, also vor dem deutschen Ghana-Spiel, mit 4,0 Punkten knorrige 100% erspielt hatte, wie es bei Dr. Martin Ploog (B-Gruppe), Stefan Schiffer (C-Gruppe), Christian Rahmen (D-Gruppe) und Jacob von Estorff (E-Gruppe) sogar gleich bei vier Spielern der Fall war, der brauchte nur noch ein Remis zum Titelgewinn: Deutscher Schach-Amateurmeister 2013/14.

Wer nun dachte, dass es deshalb wohl einige sehr kurze "Partien" geben würde, sah sich angenehm überrascht. Merke: Zum Remis gehören immer zwei. Und hier war's durchweg in allen Gruppen so, dass sich auch der (oft die eigenen Pläne beträchtlich störende) zweite Mann im eigenen Erfolgsfall noch selbst den Meistertitel auf die Visitenkarte, das T-Shirt und die Schuhe drucken lassen konnte.

Hier ging's ja um den Titel, den Siegeskranz, den Kuss der Champagner-Mädels (äh .. wie ...? Nur beim Autorennen ...? Naja, dann ohne Alllohol) - und jetzt eben nicht mehr um einen der sechs Quali-Plätze. Spielst Du nur "auf Platz", wird nach "vier aus vier" schon mal remisiert, aber nein, hier ging's um alles. In den anderen Gruppen erst recht, denn dort sahen die vom Kampf gebannten Zuschauer jeweils ein Kopf-an-Kopf-Rennen vor sich! Entsetzlich, diese Spannung ... Und das alles, während ab 14:00 Uhr im WTA Tennis im Eastbourne-Finale Angelique Kerber auf Madison Keys traf und "unsere Jungs" schon mal die Frisuren gelten, um gegen Goldküsten-Ghana gut auszuschauen - denn das ist ja die Hauptsache bei den Fernsehkickern.

Ein schönes Porträt von Präsident Herbert Bastian zeichnete Michael S. Langer auf der Homepage des Deutschen Schachbundes - manch einer mag über das wahre Alter unseres juvenilen "Schach-Chefs" erstaunt sein! "Er hat sich die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit zur Aufgabe gemacht", schreibt unser Vize-Boss Langer. Und genau in diesem Sinne wollen wir hier auch gleich ohne Zeitverlust mit der DSAM weitermachen, während der Präsident beim Simultan seine Runden dreht - und die Punkte gewiss nicht geschenkt bekommt!

Gestalten wir's doch einmal übersichtlich und teilen das Ganze in Gruppen auf, obwohl der rasende Reporter in der Realität natürlich quer durch den Saal von Brett zu Brett hasten würde.

Gruppe A

FM Michael Schulz vom  SC Empor Potsdam 1952 ist mit 4,5 Punkten = 90% der Deutsche Schach-Amateurmeister 2013/14 der A-Gruppe! Er wird also bei der Deutschen Meisterschaft mit Naiditsch, Gustafsson & Co. die Klingen kreuzen.

Immer ganz dicht auf den Fersen war ihm Detlev Wolter von der SG  Höntrop 1947, der dann aber doch "nur" mit 4,0 Punkten abschloss und damit Deutscher Amateurvizemeister wurde!

Wir hatten dem beneidenswert jungen Lev Yankelevich von der SG Trier die besten Chancen eingeräumt, der dann auch ein tolles Turnier spielte, aber eben als (sehr guter) Dritter reüssierte. Der Leser möge bedenken: Lev hatte gerade erst neun Runden in der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft in Magdeburg hinter sich gebracht und war offenbar auf direktem Wege nach Niedernhausen gedüst - wie einige andere Jugendliche und Kinder auch.

Der Name Schulz ist im deutschen Schach, auch im Bereich der Funktionäre, breit vertreten und sogar "Michael Schulz" kommt zwischen Starnberg und Muldental siebenmal in der DSB-Datenbank vor. Sich auf ihn vorzubereiten ist also nicht ganz einfach. Sogar beim ICCF (Fernschach) gibt es zwei seines Namens, sinnvollerweise durch nichts unterschieden - klar ist aber, dass einer davon "unser Schulz" sein muss, denn beim Fernschachtreffen Breisach 2013 war er mit am Zug. FM Schulz spielt erfolgreich in der Oberliga Nordost und inzwischen auch das "Deutsche Senioren-Derby 2014" (reiten die da?), woraus wir schließen dürfen: Es gab im Turniersaal jüngere Teilnehmer als ihn - aber eben keinen besseren.

Will man Trier nun nicht zur Region des Spielortes rechnen, was nach Luftlinie schon stimmte, aber auf der römischen Rheinseite, da weiß man ja nie, ist der beste Spieler des Turniers aus der Region Denis Mager vom TuS Makkabi Frankfurt. Der war betont unauffällig auf Platz 29 gesetzt, aber dann ... in der Schlussrunde nahm er den langen Pass in die Tiefe auf, spielte inzwischen schon an Brett 7 und zwar gegen eins der großen deutschen Talente, Kevin Schröder. Der Frankfurter sagte sich, "ei, Talent, das habbe mer selbscht au' - und a grüne Sauce" und so wurde es denn remis.

Gruppe B: Jeremy Moeller gegen Dr. Martin Ploog

Gruppe B: Jeremy Moeller gegen Dr. Martin Ploog

Gruppe B

Am Spitzenbrett versuchte der Bendorfer Jeremy Möller den Durchmarsch von Hannovers 100%-Überflieger Dr. Martin Ploog zu verhindern. Der an 7 gesetzte Meister Möller musste sich vornehmen, seine gesamte Elo-Macht von 2038 in diese Partie zu werfen. Gewönne er mit Weiß, würde ihm der Siegerkranz geflochten werden (nach den dafür eigentlich zuständigen elysischen Jungfrauen wurde derweil aber noch im Hotel gefahndet).

Kaum zu glauben: Das Vorhaben gelang! Deutscher Schach-Amateurmeister der B-Gruppe 2013/14 ist mit 4,5 Punkten Jeremy Moeller vom SC 1926 Bendorf! Herzlichen Glückwunsch! Die letzte Partie stand lange im eher unklaren Bereich, erst ganz am Ende setzte sich Weiß durch (naja, wann sonst ...), also ein wahres Foto-Finish für dieses Finale.

Noch 2011 spielte unser neuer Meister in der U18 in der Rheinland-Meisterschaft (satte 5,5 aus 7) und, sehr sympathisch, beim Solinger Karnevals-Open, dann zog er das Tempo an und seine Rating-Kurve ähnelt nun einer Steilwand. Der Hesse, der seinen Verein in der Rheinland-Liga vertritt, hat das Schachleben noch vor sich. Wir prophezeien: Die momentanen DWZ 2059 sind noch nicht das Ende dieser Entwicklung - logisch, das DSAM-Finale wird ja erst noch ausgewertet.

Wunderbar ist der deutsche Vizemeister-Titel für die hoch begabte Annabelle Schäfer von den SF Korbach, die wir alle ein wenig aus den Augen verloren hatten, die sich aber mit starkem Schach kontinuierlich nach vorne schob und am Ende ebenso wie 4,5 Punkte = 90% erzielt hatte wie der Turniersieger: Eine ganz außerordentliche Leistung!

Ausgerechnet in der letzten Runde geriet er ein wenig ins Stolpern, der bisherige "Mr.100%" Dr. Martin Ploog, aber mit 4,0 Punkten wurde es doch noch der dritte Platz. Jeder Sportler weiß, dass so etwas, den Sieg vor Augen, im ersten Moment nicht als Erfolg gefeiert wird, aber der Hannoveraner hat ein wirklich großes Turnier gespielt.

David Kardoeus war der einzige Bremer im Finale - angesichts des zeitweilig zwei Vereine des Zwergstaates ist es verwunderlich, dass nur so wenige an der DSAM teilnehmen. Bis an das siebte Brett kämpfte sich der an 31 Gesetzte vor, und beendete den Wettkampf mit einem Weiß-Remis gegen den starken Kasseler Joschi Stabernack auf Platz 9, noch einen Rang vor dem wie immer super kämpfenden Tim Niklas Bingert aus Langen. Der Kasseler schloss das Turnier mit ebenfalls 3,0 Punkten auf dem 13.Platz ab.

Gruppe C

Stefan Schiffer vom SV Lendersdorf 57 stürmte mit 100% an die Spitze des Feldes, remisierte nach durchaus strammem Kampf mit Weiß gegen Marius Gramb und setzte damit den Schlusspunkt seine Start-Ziel-Sieges! Deutscher Schach-Amateurmeister der C-Gruppe, zumal nach einer beeindruckenden Leistung mit 4,5 Punkten, das ist schon was. Das hat der Lasker nie geschafft. Zumal Stefan Schiffer noch in der U20 Jugendliga spielt - und ansonsten in der Verbandsliga West, Mittelrhein, wo er mit 5,5 aus 9 seine stetig nach oben verlaufende Rating-Entwicklung bestätigte. Und auch unser jetzt abgeschlossenes Finale wird dem kaum einen Abbruch getan haben.

Der an 22 gesetzte Marius Gramb vom Brühler SK saß, nein: er thronte in der Schlussrunde am Spitzenbrett, und mit dem Remis krönte der Rheinländer seine bemerkenswerte Leistung mit 4,0 Punkten. Damit war  er Deutscher Vizemeister der C-Gruppe. Und einer von "gleich nebenan" wurde Dritter in dieser schwierigen Finalgruppe, nämlich Jan Goetz von den SF Frankfurt 1921 mit ebenfalls 4,0 Punkten.

Ohne ersichtlichen Grund und vielleicht noch nicht mal in diesem Gruppenbereich brachen einige Spieler nicht etwa zusammen, sondern schlicht das Turnier ab. So etwas hinterlässt Eindruck und zwar keinen guten. Auch ohne das gilt wie immer: Ein Turnier beginnt mit der Eröffnungs-Zeremonie und es endet mit der Ehrung der Sieger, nicht früher. Wer die nicht abwarten möchte, was aber wegen des festlichen Rahmens äußerst unwahrscheinlich war, kann etwaige Preise vergessen. Aber: Es mussten für den Festsaal sogar noch flugs zusätzliche Tische organisiert werden, weil die Nachfrage der Spielerinnen, Betreuer etc. so erfreulich groß war - sehr gut!

Sieger Gruppe D: Christian Rahmen

Christian Rahmen

Gruppe D

Die SG Porz ist einer der großen Traditionsvereine des deutschen Schachs und nun sind sie dort in Köln um einen Titel reicher, denn dem an 17 gesetzten Christian Rahmen gelang hier im Finale ein tolles Turnier, das er mit dem Titel "Deutscher Amateurmeister der D-Gruppe 2013/14" zu krönen wusste! Mit 4,5 Punkten enteilte Christian dem Feld, und auch Klaus Künitz aus dem sehr nahe gelegenen Mainz kam mit 4,0 Punkten nicht mehr so ganz mit. Immerhin, der Vizemeistertitel geht nun gleich nach gegenüber ans andere Rheinufer; Wiesbaden und Mainz sind ja bekanntlich nur durch "des Deutschen Fluss, nicht seiner Grenze" getrennt. Jugendbundesliga ... Bezirksliga Ost ... Godesburg Open ... das sind recht schwankende Ergebnisse, die unser D-Gruppen-Meister bisweilen erzielte, was aber bei jemandem, der wohl vor dem Schulabschluss steht (so weit er ihn noch nicht gerade hinter sich hat) und sich nun erst recht im Leben orientieren muss, einfach nur normal ist. An manchen Tagen gibt es einfach Wichtigeres als Schach.

Gruppe E

Knapp vor 13:00 Uhr erreichte die Redaktion die Information: Der kleine Jacob von Estorff ist Deutscher Schach-Amateurmeister! Ein umkämpftes Remis in der letzten Runde gegen seinen Verfolger Jannis Weber führte die zeitlich erste, sensationelle Titel-Entscheidung dieses Turniers herbei. Jacob hatte als Vorletzter (!!) der Setzliste zuvor schon unfassbare 100% gemacht und wollte wohl auch gerne in diesem Fahrwasser des Sieges bleiben, dann folgte aber doch der halbe Punkt - die Kirsche als Schlusspunkt auf dem Eisbecher ist ja auch immer etwas kleiner, aber hübscher als der Rest.

Jacob wurde bereits mit seinem Verein Post Uelzen niedersächsischer Landesmannschafts-Meister U12 (mit phänomenalen 6,0 aus 7 an Brett 2!), ist amtierender Uelzener Jugend-Stadt-Blitz-Meister und fiel uns beim DSAM-Quali-Turnier 2014 in Bergedorf auf, als er dort in der E-Gruppe Elfter wurde: Weiter so!

Jannis Weber gelang mit diesem Remis der Vizemeister-Titel. Das klingt manchmal so nach "ferner liefen", ist aber nicht so. Wer sich 4,0 Punkte in einem Finale einer Deutschen Meisterschaft erspielt, ist ein herausragender Schachspieler. Das gilt auch für Walter Lechler, den manche nur wegen seines irgendwie aus der Mode gekommenen Vornamens für einen älteren Herrn halten mögen .., aber der Schiedsrichter der Frauen-Bundesliga (auch ein schönes Feld!) vom SK Dinkelsbühl wurde 1960 geboren (sagt uns die FIDE) hat pfundige 4,0 Punkte und damit den dritten Platz geschafft! Sage noch einer, Funktionäre könnten alle kein Schach spielen ... die haben noch nicht mit Herbert Bastian und Dirk Jordan geblitzt.

Spitzenbrett der F-Gruppe in der Schlussrunde

Gruppe F: Antonia Ziegenfuß gegen Daniel Schwarz

Gruppe F

In dieser Gruppe war was los ...! Fotografen und Reporter boten Höchstsummen um die besten Plätze, denn hier spielte SIE, nämlich Antonia Ziegenfuß vom SV Breitenworbis, die mit erst 9 Jahren jüngste Teilnehmerin der gesamten DSAM, das blondeste Mädchen im ganzen Turnier und: Die neue Deutsche Schach-Amateurmeisterin 2013/14 der F-Gruppe!

Aber wir hatten hier noch mehr zu bieten, nämlich die Brüder Daniel und Matthias Schwarz vom nur wenige Königswürfe (liebe Kinder! Bitte nicht nachmachen! Das hat nur mal Aljechin getan) entfernt gelegenen "Turm Idstein". Daniel geriet am letzten Tag ein wenig ins Hintertreffen und wurde mit 3,5 Punkten immer noch sehr guter Fünfter, während Matthias groß auftrumpfte und mit 4,5 Zählern Zweiter wurde - vom 26.Setzplatz aus! Der "in der Szene" schon recht bekannte Jasper Enno Stockter aus Treptow bestätigte mit 4,0 Punkten die Hoffnungen und wurde guter Dritter. Susanne Röhr und Melanie Iwanecki zeigten, dass die deutschen Schachfrauen auch in diesem Leistungsbereich einen flotten Springer schwingen und machten mit ihrem sechsten bzw. siebten Platz Hoffnung auf mehr - in der nächsten Saison, zu der wir alle herzlich einladen!

Deutsche Schach-Pokalmeisterschaft

Deutscher Pokalsieger wurde der favorisierte Berliner FM Dirk Paulsen (Steglitz-Wilmersdorf), der sich im Blitzentscheid gegen den ebenfalls aus Berlin kommenden IM Ulf von Hermann (König Tegel) durchsetzte. Und: Nein, die hätten das nicht gleich in Berlin ausspielen können, denn der Weg durch die vier Runden in Niedernhausen war zumindest nicht immer leicht.

Beste Frau des Turniers wurde nominell GM Barbara Hund in der A-Gruppe auf dem 31.Rang, aber nach privater und mit niemandem abgesprochener Meinung der Redaktion ist der sensationelle Vizemeister-Rang von Annabelle Schäfer in der B-Gruppe noch höher einzuschätzen.

Die deutsche Schach-Gala: der Schlussabend

Simultan mit Herbert Bastian

DSB-Präsident Herbert Bastian beim Simultan

Hach, so eine kleine Feier in der Mitte von Schachfreunden ist doch immer wieder schön! Eigentlich begann er schon am Nachmittag, als der Präsident des Deutschen Schachbundes, der Internationale Meister Herbert Bastian, so freundlich war, an 21 Brettern ein Uhren-Handicap-Simultan zu spielen. Das klingt immer so einfach, der große Meister kommt mal eben vorbei, joggt im Ziehen lässig an der Gegnerreihe vorüber und lächelt dann nur noch mal anerkennend, wenn der Gegner aufgibt (das väterliche Tätscheln über den Kopf ist zum Glück seit einigen Jahrzehnten aus der Mode - und wäre unserem Chef auch niemals eingefallen).

Wie so oft im Leben: Die Wirklichkeit ist anders. Das haben zuvor schon viele Schach-Athletinnen zum Beispiel aus dem Damen-Nationalteam erkennen können, die ein Jahr lang so nett waren, bei der DSAM ihre Spielkunst zu zeigen - und die DSAM-Teilnehmer damit begeisterten! Am Ende wird für den Simultanspieler nämlich sehr oft die Zeit äußerst knapp, ganz ungeachtet der Tatsache, dass unserem IM hier ja *Finalisten* begegnen, also Spieler, die in ihrem Können schon einen großen Schritt vorangekommen sind.

Und so kam es dann tatsächlich dazu, dass die DSAM-Athleten unseren Präsidenten überzeugend mit 13:8 besiegten! Wir wissen, dass Herbert Bastian an dem Tag unheimlich viel "um die Ohren" hatte, schon bei der Anreise unter Stress stand, aber: Sportler erkennen die schöne Leistung des Gegners an, bedanken sich für die Partie und versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen - und dies ist denn auch schon eine Einladung an unseren Präsidenten zum Simultan 2015 an genau derselben Stelle; wir werden nämlich nochmals in Niedernhausen zu Gast sein dürfen.

Dankeschön

Natürlich wurden Reden gehalten. Dankesreden der Spieler und der Ausrichter, erleichterte Reden über das nun nicht mehr so große Finanzproblem des DSB, lobpreisende Reden bei Ehrungen, Tischreden, nachdem das Buffet gestürmt wurde, ... los geht's damit!

Der Repräsentant der Gemeinde Niedernhausen,  Ulrich Stache, formulierte schon zu Turnierbeginn einen fulminanten Aufruf für das Breitenschach: "Niedernhausen ist gleichsam das "ruhige Auge im Sturm des deutschen Schachs", denn in der Stadt selbst gibt es keinen Schachverein; aber nur rund zehn Kilometer weiter zur einen Seite kämpfen die Brett-Strategen vom "Wiesbadener SV" in der Zweiten Bundesliga (...) der Bundesligaverein SV Griesheim (...) neben wiederum vielen anderen, der "Schachclub 1910 Höchst" und auch "Makkabi Frankfurt". - Auf der rheinland-pfäzischen Seite unter anderem "Vorwärts Orient Mainz" und "TSV Schott Mainz". - Niedernhausen im noch windstillen Auge des Schachorkans bietet sich Ihnen hier und jetzt für die Gründung eines Schachvereins geradezu an - zögern Sie nicht!

Es wird Zeit, dass auch in Niedernhausen mal ein Schachenthusiast die Zügel in die Hand nimmt und einen Schachverein aus der Taufe hebt. Die Bedingungen sind günstig. (...) Schach gedeiht aber auch außerhalb der Vereine! Senioren spielen in ihren Residenzen, Schüler in ihrer Aula und Klassenräumen, Kinder in den Horten und Kindergärten, mancherorts sieht man Schachspieler zwischen Pizza und Bier in den Kneipen, kurz gesagt: Schach ist überall. Und es wird mehr. Denn Schach hat eine soziale Funktion; es bringt Menschen zusammen (...) Niedernhausen würde es gerne sehen, wenn die umliegenden Vereine auch hier in Schulschach-AGs und auf ähnliche Weise aktiv werden würden."

Sieger Verein des Jahres 2014

Sieger Verein des Jahres 2014: Rhedaer SV

Und bei der Deutschen Schachgala fingen Präsident Herbert Bastian und sein Kollege, Breitenschach-Referent Walter Pungartnik, diesen Ball natürlich auf. Der "Verein des Jahres", der Rhedaer SV, wurde vom Referenten für sein außerordentliches Engagement geehrt und stellvertretend für seinen Club empfing der Vereins-Vorsitzende Thomas Bergmann eine Urkunde und erhielt natürlich auch einen kleinen Betrag zur Stützung künftiger Aktivitäten. Der Verein hat das in wirklich lesenswerter Weise auf seiner Homepage dargestellt.

 

Schach ist Sport

Herbert Bastian verwies darauf, wie wichtig es sei, gerade hier in den Vereinen und in ihrem Umfeld Menschen jeden Alters für Schach zu begeistern, sie zu werben - weniger, um Mitglieder zu rekrutieren, das kommt dann ganz von selbst, sondern eher, um Schach an sich zu verbreiten, das Spiel sozusagen selbstverständlich zu machen. Das Spiel? Schach ist Sport!

Das ist es immer gewesen; der knallharte Wettkampf-Charakter steht den Aktivitäten eines olympischen Bogen- oder Pistolen-Schützen gewiss nicht nach. Und in diesem Sinne war es unserem Präsidenten dann auch eine sichtliche Freude, die großartig kämpfenden Sieger dieses Turniers im Kreis des DSAM-Teams zu ehren. Zum Abschluss des schönen Abends dankte Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan allen Spielern, ihren Begleitern, dem Service des Hotels und dem DSAM-Team für ihr Erscheinen und ihre wunderbare Tätigkeit. Wir kommen gerne wieder. Schon im kommenden Jahr, wieder mit dem Finale.

Das Team der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft.

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