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Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft
RAMADA Cup 6³   2012/2013

Das Finale in Kassel

30. Mai bis 1. Juni 2013

Turnierinformationen:

Rangliste:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · DPEM

Teilnehmer:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · DPEM

Spielort:

RAMADA Hotel Kassel City Centre

Ralf Mulde berichtet aus Kassel

Überqualifiziert und willkommen!

Hartmut Unruh

Hartmut Unruh

Matthias Groth

Matthias Groth

Oft haben wir jene Spielerinnen und Spieler in den Vordergrund gestellt, die zum zehnten, fünfundzwanzigsten oder gar fünfzigsten Mal an einem Turnier der DSAM teilnahmen und das war und bleibt auch völlig richtig, weil es nämlich eine tolle Sache ist. Und diejenigen, die Sechster, Dritter oder gar Erster geworden wurden natürlich auch mit Bild, Händedruck und Preis geehrt. Logisch, das ist ja der Sinn eines Spiels: Siegen. Bei der DSAM ist "Spaß haben" zwar ebenso wichtig, aber lassen wir das kurz beiseite.

Was wir aber ein wenig aus den Augen ließen, war die Frage: Wie oft eigentlich haben wir Schachfreundin X und Schachfreund Y schon auf unserem Podium hochleben lassen, wie oft eine Siegestrophäe überreicht? Wir wollen im aktuellen Finale nicht bis in jene Zeiten schweifen, in denen Tarrasch noch spielte und der heute so gut bekannte und beliebte DSB-Präsident Herbert Bastian in der A-Gruppe der DSAM gewann (hmm ... geschah das eigentlich ungefähr gleichzeitig...?). Also haben wir lediglich die letzten sechs Qualifikations-Turniere unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass wir jetzt im Finale geradezu einige Seriensieger unter uns haben!

Es wird nämlich leicht übersehen, dass eine ganze Reihe Spieler sich nicht etwa "nur" einmal für das Finale qualifizierten, sondern dass es ihnen gelang, sich im Laufe dieser Saison gleich mehrfach auf den magischen Plätzen eins bis sechs zu platzieren. Die sind sozusagen "überqualifiziert". Was hier und da Grund zur Ablehnung eines Bewerbers sein mag, ist in der DSAM genau anders: Seid uns nun also willkommen, gerne auch sechsfach, fünffach oder wie oft auch immer Ihr ein "Final-Ticket" erspielt habt!

Wer nun meint, dass es sich dabei ja nur um ein, zwei Männeken handeln könne, die da eben irgendwie ... knapp daneben! Hier ist die Aufstellung der Spieler, die sich mehrfach qualifiziert haben:

Heyne, Andreas, SG Waldkirchen, Gruppe F, 2x qualifiziert
Schlitzer, Felix, Stiller Zug Wiesbaden, Gruppe E, 2x qualifiziert
Hund, Sarah, SK Freiburg Zähr., Gruppe D, 2x qualifiziert
Dörge-Koch, Sven, Caissa Wolfenbüttel, Gruppe B, 2x qualifiziert
Grötzbach, Julian, Hamburger SK, Gruppe B, 2x qualifiziert
Blechschmidt, Falk, SG Waldkirchen, Gruppe E, 3x qualifiziert
Erdmann, Frank, TSG Taucha, Gruppe E, 3x qualifiziert
Forner, Jens, BiBaBo Leipzig, Gruppe E, 3x qualifiziert
Bender, Jakob, SG Porz, Gruppe F, 3x qualifiziert

Und den Vogel schossen diese beiden ab:

Unruh, Hartmut, SF Korbach, Gruppe E, 4x qualifiziert !!!
Groth
, Matthias, Lauenburger SV, Gruppe D, 4x qualifiziert !!!

Eröffnung: Schachspieler in Kassel 2013 legten los!

Das Finale ist eröffnet!

Stadträtin Esther Haß wurde von Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan zusammen mit Rainer Gwosdz, dem Food & Beverage Manager des uns (komfortablen!) Obdach gewährenden RAMADA-Hotels vorgestellt. Herr Gwosdz wies die Spieler auf die im RAMADA-Hotel hervorragenden Möglichkeiten zur Verpflegung hin, ein paar kleine Snacks in der Pause, etwas Größeres nach der Partie, für alles ist perfekt gesorgt.

Die in Kassel für Soziales und Sport zuständige Stadträtin Esther Haß spielte in ihrer Jugend auch Schach, ließ aber bei der Zugberechnung zu oft die Möglichkeit aus den Augen, dass der Gegner zwischendurch ja auch mal ziehen darf – ein auch bei der langfristigen Planung fortgeschrittener Spieler oft anzutreffendes Problem.

Frau Haß wies darauf hin, dass sich das Turnier in stattlicher Größe nicht zum ersten Mal in der Stadt befinde und zeigte sich beeindruckend gut informiert über die beiden großen Kasseler Schachvereine CAISSA und Kasseler SK 1876. Neben dem Streben nach Punkten sollten die Teilnehmer aber nicht aus den Augen verlieren, dass man in der schönen Stadt Kassel vielerlei anschauen könne, insbesondere die am heutigen Fronleichnamtag ausnahmsweise auch außerhalb des Sonntags aktiven Wasserspiele der Herkules-Anlage.

Eine oftmals gestellte Frage ist: Wie viele spielen mit? Wie viele sitzen denn nun im Saal? Wir haben ja diesmal gleich zwei, komplett voneinander unabhängige Turniere vor uns. In der DSAM sind es unglaubliche 209 Spielerinnen und Spieler aller Alters- und Spielstärke-Gruppen. Im Finale des Dähne-Pokals sind in der ersten Runde 28 Spieler angetreten, so dass wir insgesamt 237 Strategen an den Brettern haben. Weil bei der DSAM niemand irgendwohin gequetscht wird, wurde für die E- und die F-Gruppe in der zweiten Etage ein geräumiges Domizil eingerichtet.

Wie es die fleißigen Geister es mitten in der Nacht noch schafften, die technisch anspruchsvolle Live-Übertragung der ersten Bretter einzurichten, bleibt dem Autor ein Rätsel, aber es läuft.

Als wir zur Vorbereitung mit dieser oder jener Redaktion sprachen, konnten wir es rund eine Woche vor dem Startschuss selbst kaum fassen:
Es lagen für beide Turniere zusammen bereits 221 Anmeldungen vor, Begleitpersonen noch gar nicht gerechnet! Würde im Haus nun überhaupt noch Platz für das für das Hotelpersonal bleiben? Müssten die Spieler ihren Kaffee also selbst kochen? Sollten wir Zelte für das Turnierpersonal aufstellen, in denen Jürgen Kohlstädt, Dr. Dirk Jordan & Co. zu finden wären?

Zwar sagen vor einem Turnier aller Erfahrung nach knapp fünf Prozent der bereits angemeldeten Spieler ab, weil Krankheit, Beruf oder anderes das erzwangen, aber natürlich gibt es auch gerade im Schach viele, die erst in allerletzter Sekunde in der Tür erscheinen. Die stete Furcht, durch eine sich festlegende Entscheidung etwas Besseres zu verpassen, scheint der flotten Anmeldung im Wege zu stehen. Aber wie auch immer: Die Größenordnung für dieses Turnier steht fest und wir können den bunten Tagen in Kassel unter den strengen Augen des Herkules voller Freude entgegensehen.

Kasseler Elo-Favorit: Michael Stockmann aus Schöneck

ELO-Favorit Michael Stockmann

FM Michael Stockmann

Die FIDE-Datenbank sagt uns: 1973 geboren ist er, der FM Michael Stockmann. Und dass die Elo-Zahl stattliche 2285 betrage. Ein flottes Matt mehr und es wäre über 2300 gewesen, jenseits der Zulassungs-Grenze der DSAM, jedenfalls der Quali-Turniere.

Wer nur ein wenig schaut, findet als einen seiner neuesten Erfolge den 8.Platz in einem Turnier mit dem schön deutschen Namen "Frankfurt Chess Open City Championship 2012". Zweiter in diesem von Igor Khenkin gewonnenen Wettbewerb wurde Sven Telljohann, ebenfalls Schöneck und ebenfalls hier in Kassel aktiv - im Pokal.

Bei den Hessischen Meisterschaften 2003 spielte Meister Stockmann noch im Meister-Vorturnier und siegte hier in überlegener Manier mit 8 aus 11. Machen wir eine kleinen Sprung: 2010 "wagte" man es, ihn wiederum nur in die A-Gruppe statt ins Meisterturnier zu setzen und ... päng! ... unser Protagonist erspielte 5 aus 7 und siegte mit einem ganzen Punkt Vorsprung. Ruft da einer: "Ja, in der A-Gruppe spielt er in der DSAM doch auch!", der hat recht - allerdings gibt's in der DSAM darüber gar nichts. Nur Herkules.

Und 2012/13 lehrten uns die Mitteilungen des Hessischen Schachverbandes, dass auch dort um einen Springer gespielt wird. Der Goldene Springer wird dort nicht (glaube ich) ans Revers gesteckt und wird ganz sicher nicht für fünfzig Turnierteilnahmen vergeben, sondern den stellt man sich in den Vorgarten ... nein, natürlich nicht. Der "Goldene Springer" in Hessen ist das ehrwürdige und zugleich hübsche Symbol der Pokal-Einzelmeisterschaft. 1960/61 schnappte ihn sich ein gewisser Gerhard Hund, damals noch SK 1875 Darmstadt.
http://hessische.schach-chroniken.net/50gs__historie.htm

Im letzten Halbfinale aber befanden sich drei von vier Spielern, die auch hier in Kassel unter uns sind:
IM Hagen Poetsch, IM Sven Telljohann, FM Michael Stockmann - und Patrick Will, der konnte in Kassel vermutlich gerade nicht. 

Diese offenbar bärenstarken Jungs aus Schöneck spielen in einem Verein, der auch in der kommenden Saison in der Zweiten Liga antreten wird. Es gibt einige wenige, die nicht wissen, wo genau dieses Schöneck liegt. Ganz einfach: Bei Oberdorfelden. Na gut, nachdem das jetzt geklärt ist ... eine Postkutschenfahrt weiter südöstlich stößt man erst auf Bad Vilbel und dann auf einen Ort namens Frankfurt am Main.

Herkules: Herr Kules mit den geklauten Äppeln

Da oben steht einer. Nein, nicht der Turnierleiter, sondern etwas weiter oben. Kann überhaupt einer über dem, über diesem Turnierleiter stehen? Hier in Kassel schon. Über der Stadt Kassel auf der Wilhelmshöhe starrt eine mächtige Figur auf die Menschen herab: Herr Kules. Äh ... Herkules. Warum man ausgerechnet diesen ollen griechischen Halbgott auswählte, da oben dem Wetter zu trotzen, erschließt sich in den Artikeln der Stadt Kassel und dem der Wikipedia nicht gleich. Herkules war Sohn des Zeus und der Alkmene und vollbrachte angeblich zwölf übermenschliche Taten. Schön. Aber wieso Kassel und nicht zum Beispiel Westrhauderfehn oder Gummersbach?

Der Landgraf Karl von Hessen-Kassel hätte im Jahre 1701 ja auch Johann Jakob Anthoni und Giovanni Francesco Guerniero bitten können, ihm statt des Keulenschwingers da oben ein hübsches Pferd zu gestalten, oder eine weibliche Statue mit Model-Maßen und fließenden, langen Haaren. Kommt immer gut, so was. Tat er aber nicht. Der Landgraf baute zunächst mal ein Schloss. Das war schon ein dolles Ding, nämlich in der Form eines Oktogons. Dieses Schloss ist von einer sensationellen Gartenanlage umgeben, die sich von der Wilhelmshöhe bis nach Kassel-Stadt erstreckt und wird von den weltweit ihresgleichen suchenden Wasserspielen gekrönt. Und erst alles das bildet zusammen mit Herkules als Fanal-Figur ein unglaubliches und heute wohl zu wenig gewürdigtes Gesamtkunstwerk.

Herkules und Kaskaden in Kassel (Quelle Wiki commons)

Quelle: Wiki commons

Allein die 3-Tonnen-Statue mit der Keule auf dem östlichen Bergkamm des Habichtswaldes ist schon 8,25 m hoch, die Pyramide plus Sockel plus Schloss-Oktogon, auf dem sie steht, misst sogar 70,5 m. Das Ganze ist auch noch auf einer Berghöhe aufgebaut worden - kein Wunder, dass uns Herkules allgegenwärtig auf die Bretter zu schauen scheint!

Jedenfalls "symbolisiert der Herkules Herrschertugenden wie Unbesiegbarkeit, Unsterblichkeit, Retter- und Beschützergeist der Menschheit. Unmittelbares Vorbild ist die Marmorfigur des Herkules Farnese, die der Landgraf in Rom gesehen hatte." So schrieb es 2009 der unübertroffene Hans-Peter Schwanke im Kunstmarkt-Journal.

Der Bezug zum Schach ist ebenso klar wie bei Rhodins "der Denker", beschreibt doch Wikipedia den "sich ausruhenden, über seine Taten nachdenkenden Herakles. Der Held – in nachsinnender, leicht nach vorn gebeugter Haltung – stützt sich auf seine Keule, die mit dem Fell des Nemëischen Löwen behängt ist (1. Tat)."

Na klar, der denkt eben. Aber nix mit Löwen, der denkt über Pferde nach: Nämlich über Springer nach f4 oder doch nach g3, das ist hier die Kasseler Frage!

Immerhin waren es die französischen Schöpfer der New Yorker Freiheitsstatue von 1887 und die des Hermannsdenkmals von 1875, die sich sich den Herkules als künstlerisches Vorbild nahmen. Ein paar Äpfel hat er von den Hesperiden geklaut, die hält der kräftige Schlingel hinterm Rücken verborgen - bei der DSAM hätten wir den Griechen-Helden am Buffet verköstigt, ohne dass er Mundraub begehen musste.

Und ob der Herkules eigentlich etwas mit Schach zu tun hat? Was für eine Frage! Wer kennt ihn nicht, den von Caissa Kassel bis max. DWZ 1400 veranstalteten "Kasseler U25 Herkules Cup 2013"? Die erste von fünf Runden ist schon vorbei, mitmachen geht also nicht mehr, aber mitfiebern geht immer.

Der Weise vom Bücherberg

Schach hat von allen Sportarten wohl die umfangreichste Fachliteratur produziert, jedenfalls mehr als Angeln, Bowling oder Baumstammwerfen (″tossing″, das ist in Schottland mehr oder weniger verbreitet). In früheren Zeiten konnte man sich als Student in der Uni-Bibliothek mit den dort in erstaunlicher Zahl angeschafften Schachbüchern beschäftigen, statt die eine oder andere Vorlesung wahrzunehmen; heute hat sich die Situation an den Hochschulen leider so verschärft, dass noch nicht einmal mehr für das Nötigste Zeit bleibt ...

Aber Schachbücher werden noch immer produziert und ihre Qualität steigt, vergleicht man sie mit manchen Produkten der 70er oder 80er Jahre. Natürlich geht es längst nicht mehr ″nur″ um das Wissen zwischen zwei Buchdeckeln, sondern immer mehr auch um die kleinen Silberscheiben, also die DVDs. Die enthalten viel mehr Material, sind für sehr vieles praktischer als Bücher, sehen aber gelegentlich nicht mehr ganz so hübsch aus. 

Der freundliche Mann zwischen ganzen Reihen von Büchern, der direkt vor dem großen Turniersaal steht, ist nicht etwa ein Spieler, der wegen des schlechten Handy-Empfangs auf der Toilette nun doch wieder auf das Spicken aus Büchern umgestiegen ist, sondern es ist der Schachhändler Bernd Jehle von Chessware – wer etwas nicht findet, sollte ihn fragen; der im wahrsten Sinne des Wortes Schachfreund Jehle wird wohl die ganzen Tage anwesend sein und beantwortet alle Fragen gerne und kompetent. 

Faszinierend

Antikonie und Gawan (Quelle: wiki commons, Foto: Peter Mauch)

Quelle: wiki commons (Foto: Peter Mauch)

Manchmal schauen einen die Leute ja doch etwas sonderbar an, wenn man ihnen erzählt, dass man Schachspieler sei. Ja, genau, fünf Stunden am Brett, nebenbei kein Handy, Zigarette oder Allllohol (gut, das gibt's zum Beispiel beim Tischtennis an der Platte auch nicht), bevorzugt bei Eis und Schnee zu fast noch mitternächtlichen Mannschaftskrämpfen, heute aber alles unter sehr viel komfortableren Rahmenbedingungen als noch vor zwanzig, dreißig Jahren. Und wenn uns der noch immer entgeisterte Gesprächspartner dazu kommen lässt, werden wir ihm etwas über Faszination erzählen, nämlich jene, die von diesem Spiel seit vielen Jahrhunderten auf ungezählte Menschen ausgeht. 

″Schach ist das Spiel, das über die Jahrhunderte seine besondere Stellung in sich ständig wandelnden Gesellschaften bewahrt. Es ist das intelligente Königliche Spiel, das eine Faszination auf Menschen in allen Lebensphasen ausübt. Schach ist Sport, Schach ist Spiel, Schach ist Kunst, Schach ist Wissenschaft." Aus dem Leitbild des DSB, beschlossen beim Kongress Leipzig 9. Mai 2002. 

Favoritenbürde am Fronleichnam

Wir haben es schon öfter gehabt: Da schreibt man über einen Spieler, der wegen seines starken Ratings signalisiert, dass er Favorit sein könnte. Vermutlich hat der den Artikel gar nicht gelesen, spielt aber dennoch jenseits seiner Möglichkeiten – und verliert. So erging es diesmal Michael Stockmann, der in der ersten Runde sogar die weißen Steine hatte, aber einfach noch nicht so richtig heißgelaufen war und so gegen Oliver Kniest verlor. Bevor nun einer ruft: ″Wie konnte DAS denn passieren???″, wollen wir ein wenig über Schachfreund Kniest schreiben – danach werden solche Fragen nicht mehr auftauchen. 

FM Kniest verfügt über eine brandaktuelle Elo-Zahl von 2294. Ganz langsam durchatmen. Sacken lassen. Nichmal lesen. Genau, 2294. Sechs Zähler mehr und die Zulassung für die DSAM (Höchstgrenze 2300) wäre im Eimer gewesen, sofern das Rating schon zu Beginn der DSAM-Saison ebenso hoch war. Die DWZ ist mit 2241 optisch nicht so eindrucksvoll, aber wer rechnet in diesen Kreisen denn noch in nationalen Kategorien? 

Wenn man sich mit einem solchen Rating auf Platz 25 seines Vereins findet, dann wird es sich um einen der großen, alten Bundesliga-Clubs handeln und so ist es een auch hier: Die Solinger SG hat allein schon 12 Großmeister in ihren Reihen, IM und FM und CM gar nicht gerechnet. Seit 1992, dem Jahr der Datenbank-Umstellung, stehen für Oliver Kniest unglaubliche 192 ausgewertete Turniere in seinem ″Laufzettel″, von der Solinger Stadtmeisterschaft und der Oberliga bis zum Berliner Sommer und dem Badenweiler-Open. 

2011 legte FIDE-Meister Kniest eine richtig tolle Saison auf die Rolle, zuletzt lief's  nicht so überragend weiter – wir können eben oft nur so gut spielen wie es die Belastungen im Beruf, der Familie und manchmal auch der Gesundheit zulassen. Sogar bei Berufsschachspielern schwanken die Leistungen; bei jenen, die mit Schach nicht ihr Geld verdienen (müssen), ist das eben erst recht so. 

Besonders schön ist es, dass Oliver Kniest in Solingen die Verantwortung für die 40-köpfige Jugendabteilung übernahm, was eben auch die Koordination der Schach-AG's in den Schulen beinhaltet, wie es uns eine guter Artikel auf RP-online mitteilt.

Simultan gegen die DSAM

Simultanspielerin WIM Judith Fuchs (Foto: G. Hund)

WIM Judith Fuchs
Foto: Gerhard Hund

WIM Judith Fuchs, die nette und vor allem starke Frauen-Nationalspielerin, hat sich bereit erklärt, hier in Kassel gegen die Teilnehmer der DSAM eine Simultanvorstellung zu geben. 

Am morgigen Sonnabend, 1. Juni 2013, wird die Schachriesin ab 14:30 Uhr im Raum″Beuys″, der sich gleich neben der Drehtür des Hoteleingangs befindet, gegen 16 DSAM-Teilnehmer ″simultanisieren″. Dafür werden die Flügeltüren des Raumes weit geöffnet, was jedem schon aus der Ferne andeutet: Gäste sind willkommen! Die kleine Veranstaltung wird ungefähr eine Stunde vor dem Gala-Abend beendet sein, so dass alle genügend Gelegenheit haben werden, Lederhose und Gummistiefel gegen etwas für ein Fest-Buffet des deutschen Schachs noch besser Geeignetes ″Outfit″ zu tauschen. 

Flaggen können von den jubelnden Massen in der Fankurve geschwungen werden, prasselnder Beifall und Tröten sind aber erst nach dem Matt im Endspiel mit Springer + Läufer gegen den König zugelassen. 

Die Partien werden mit einer Bedenkzeit von 90 Min. zuzüglich eines Bonus von 10 Sekunden pro Zug ausgetragen. Das kann für Judith Fuchs am Ende eine ziemliche Rennerei werden, wie es auch schon die Erfahrung lehrt. Ob sie für die zu erwartende Laufleistung zuvor noch ein Trainingslager aufgesucht hat, war nicht in Erfahrng zu bringen – vielleicht war sie schon auf der Strecke. 

Wer ihre 16 Schachpartner sein werden, steht noch nicht fest. Es werden Listen ausgelegt, in die sich die Interessenten eintragen. Weil das Simultan zeitlich noch ein wenig in die laufende letzte Runde hineinragt, werden ohnehin nicht alle Interessenten antreten können. Vermutlich finden sich auch dann aber noch mehr als 16 Spielerinnen und Spieler ein, die der Nationalspielerin mal zeigen wollen, wo der Hammer hängt. In diesem Fall werden die Teilnehmerplätze ausgelost. Alles muss für jeden transparent und nachvollziehbar sein. Walter Pungartnik wird die Veranstaltung moderieren. Er ist der DSB-Referent für Breitenschach,

Festbankett des deutschen Schachs

Es ist das jährliche Abschlussfest des deutschen Schachs und diesmal findet es hier in Kassel statt: Die feierliche Siegerehrung am Sonnabend, dem 1. Juni 2013. Um 18:30 Uhr geht's los und das Festbankett wird gewiss rasch eröffnet werden. Die Finalisten der Deutschen Pokal-Einzelmeisterschaft und die der Deutschen Amateurmeisterschaft sind wohl die einzigen im DSB, die ein so schönes Fest am Ende ihres Turniers begehen und damit dem Abschluss der Saison einen würdigen Rahmen verleihen. Es ist eine schöne Tradition und ein Ort der Begegnung, zu der sich die Spieler gewöhnlich ebenso wie das Turnierpersonal ein bisschen ″herausputzen″ und vor allem die Gelegenheit nutzen, sich abseits des Brettes ein wenig näher zu kommen. 

In diesem Jahr wird Herbert Bastian als Präsident des Deutschen Schachbundes die Gelegenheit wahrnehmen, die Deutschen Schach-Amateurmeister, und den Deutschen Pokalmeister auszuzeichnen. Es gibt ja stets mehrere DSAM-Meister eines Jahres, weil wir ja in sechs verschiedenen ″Gewichtsklassen″ spielen - und jeder Erste in der jeweiligen Rating-Gruppe ist nun mal am Ende ″Deutscher Meister″, da gibt's keine Unterschiede. 

Diese gemeinsame Siegerehrung bildet den würdigen Rahmen, um die Spieler zu ehren und uns einige davon natürlich auch ein wenig vorzustellen. Diese schöne Aufgabe fällt Walter Pungartnik als zuständigem DSB-Referenten für Freizeit- und Breitenschach zu, der in der Mitte des ″Orga-Teams″ rund um Dr. Jordan agieren wird.

Wir freuen uns, das hier im RAMADA-Hotel Kassel erleben zu können, das jetzt mit völlig neuer Küchenmannschaft und präzise arbeitendem Service Glanzpunkte setzt. Schon jetzt zeigt sich das Restaurant mit einem empfehlenswerten Buffet und äußerst aufmerksamen Kellnerinnen auch im ″Alltag″ von einer sehr guten Seite. Das leicht von allen Seiten Deutschlands erreichbare Hotel  und ist vor allem durch seine Tagungsräume für Seminare offenbar gut geeignet. 

Ein scheuer Rundumblick

Draußen ist es nicht wärmer als am Heiligabend, obwohl wir angeblich Sommer haben, also schieben wir den Sessel gemütlich etwas näher an dass wärmende Kaminfeuer, strecken uns aus und fragen: Wie lautet denn nun der Zwischenstand des Turniers? Nach drei Runden hat noch niemand den Wettkampf gewonnen, aber es lässt sich ja doch vielleicht eine erste Tendenz ablesen – legen wir los: 

Nikolas Pogan (Gruppe A)

Nikolas Pogan

Gruppe A

Mit 2,5 Punkten führen vier Spieler nach der dritten Runde, nämlich 

MatthiasTonndorf, Caissa Wolfenbüttel (2206); Nikolas Pogan, SK Schwäbisch Hall (2240); Markus Hahn, CAISSA Kassel (2195); Oliver Kniest, SG Solingen (2289); Dmitrii Marcziter, Kölner SK Dr. Lasker (2259)

Ihnen folgen zehn Spieler mit 2,0 Punkten, deren Chancen auf den Turniersieg selbstverständlich vollkommen intakt sind.

Gruppe B

Glatte 100% trugen Thomas Radke, TV Freiberg (2074) die ″Pole-Position″ in der Gruppe B ein. So wie er hat hier kein anderer 3,0 Punkte aufzuweisen. Aber mit jeweils 2,5 Punkten kleben ihm vier Spieler noch dicht an den Hacken, nämlich Roven Vogel, Siebenlehner SV (2024); Dirk Bender, Turm Idstein (2039); Kevin Schröder, LSV Turm Lippstadt (2009) und Christian Friedrich Köhler, Godesberger SK (2097) sowie elf Spieler mit 2,0 Punkten. 

Gruppe C: Manfred Weinmann-Musset (rechts) gegen Jens Gramenz (links)

v.l.n.r.: J. Gramenz, M. Weinmann-Musset

Gruppe C

Hier gibt es einen 100%-Mann, nämlich Jens Gramenz (1900), SF Barsinghausen mit knorrigen 3,0 Punkten! Ihm folgen sechs Spieler mit 2,5  nach.

 

Gruppe D

wird von Sarah Hund (1650), SK Freiburg Zähringen  und vier nachfolgende Spieler mit 2,5 Punkten angeführt.

 

Zwischenstand Gruppen E & F

v.l.n.r.: Zorn, Tiarks, Krüger, Schirra

Gruppe E

hat ebenfalls zwei souverän Führende mit mit je 3,0 Punkten, nämlich Detlef Krüger (1486), Rot-Weiß Fred./Vog.dorf und Sabine Schirra (1481), Jedesheim – nach den Gesetzen des Schweizer Systems sitzen die sich aber nun gegenüber und daraus folgt logisch, dass mindestens einer danach keine 100% mehr haben wird. Tja, Sport ist Mord. 

Selbstverständlich gilt auch hier, dass die Spieler mit momentan 2,5 Punkten oder "nur" 2,0 Punkten noch durchstarten können - der Turniersieg ist noch ohne weiteres möglich!

Gruppe F

Drei Spieler mit 100%, was ist denn hier los? Roman Zorn, SVG Lauterbach (858), Timo Hiniborch, Winsen/Luhe (1100) und Axel Eichstädt, FC St. Pauli (ohne Rating!) sind die 3,0-Asse. Darf der Berichterstatter nur einmal die ″neutrale Ecke″ verlassen? Mich freut es ganz besonders, dass unser vollblinder Schachfreund Axel Eichstädt auf 100% gekommen ist – und seinen Sturmlauf vielleicht sogar noch fortsetzt! 

Geburtstage und Gratulationen

In einer großen Veranstaltung, in der so richtig viele Menschen zusammenkommen, gibt es auch immer einige Geburtstage zu feiern. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, bei einer Teilnehmerzahl von x am Tage y einen ″Geburtstagstreffer″ zu erzielen, wird das Mathematiker-Ehepaar Jordan sicher aus dem Effeff ermitteln können. Der Texter dieser Zeilen hält sich da lieber zurück. Wie dem auch sei, wir gratulieren diesen glücklichen  Schachfreunden voller Freude zu hrem Ehrentag, die dieses Datum in Laufe des Turniers in der Mitte so vieler Schachfreunde feierten: 

Andre Kienitz, SF Erkelenz,
Gruppe A, geboren am 30. Mai 

Peter Hiniborch, Winsen (Luhe),
Gruppe E, geboren 31. Mai

Thomas Radke, TV Freiberg,
Gruppe B, geboren am 1. Juni 

Das gesamte Orga-Team der DSAM und die vielen freundlichen Helferinnen und Helfer des RAMADA-Hotels GRATULIEREN GANZ HERZLICH !!! 

Vor dem Ende

In einem so kurzen Turnier über nur 5 Runden ist der letzte Umgang immer spannend, er ist sozusagen ″das Finale des Finales″. Es mag für den einen den, für den anderen eben leider dendarstellen (um mit diesen Titeln auch kurz an Gerhart Hauptmann zu erinnern), wie das im Sport nun mal eben so ist. 

Gruppe A: Dmitrii Marcziter gegen Oliver Kniest

Dmitrii Marcziter gegen Oliver Kniest

Gruppe A: Hannes Meyner gegen Detlev Wolter

Hannes Meyner gegen Detlev Wolter

In der A-Gruppe hatten zwei Spieler 3,5 Punkte, aber fünf Kontrahenten wiesen 3,0 Punkte auf. Die würden wohl kaum alle Renis spielen, so dass also auch am Spitzenbrett zwischen Dmitrii Marcziter und Oliver Kniest keine rasche Punkteteilung zu erwarten sein würde; die bessere Feinwertung haben nämlich stets die Verfolger, unter denen sich auch Hannes Meyner vom Kasseler SK 1876 befand, auf dem als Lokalmatador natürlich ein gewisses Augenmerk lag, um nicht zu sagen: Das der ″schachhessischen Weltöffentlichkeit″!

In der B-Gruppe durfte mit einem Sieg von Thomas Radke vom TV Freiberg 1844 gerechnet werden, der als Elfter der Setzliste ″so mal eben″ einschließlich der 4.Runde glatte 100% erspielte – eine Niederlage würde ihn aber sozusagen schon auf der Türschwelle stehend doch noch vom Ziel abbringen können. 

In der C-Gruppe gab's am Eingang der fünften Runde mit Jens Gramenz, SF Barsinghausen, einen Führenden, der 3,0 Punkte aufwies, hinter ihm eine stattliche Verfolgerzahl mit 2,5 Zählern – eine völlig unklare Situation. 

In der D-Gruppe war Sarah Hund, Freiburg-Zähringen, am Freitag in Geberlaune (″man muss auch jönne könne″ sagt der Rheinländer wohl, wo Freiburg / Breisgau aber deutlich nicht liegt) und spendierte in Runde 4 ein Remis, so dass sie ebenso wie Thomas Heyer, SF Wetzisreute, mit 3,5 Punkte in die Finalrunde ging. 

Übersichtlicher war die Tabelle in der E-Gruppe gestaltet. Das lag nicht an der Farbe des Papiers, sondern an Detlef Krüger. TSG Rot Weiß Fredersdorf/Vogelsdorf e.V. Liegt knapp vor Berlin. Und Schachfreund Krüger lag knapp vor allen anderen. 4,0 Punkte !!! hatte er aus vier Runden erspielt, mehr geht nicht – nur noch Aufbesserungen durch die Haltungsnote. Die gibt's aber nicht. Dann kam erstmal gar nichts und dann eine erst im Nebel der Kasseler Berge endende, lange Reihe von Spielern, die bisher 3,0 Punkte kontiert hatten. Das klingt so wie ″alles klar auf der Andrea Doria″, aber ... wenn nun der Detlef Krüger verlieren würde, was ihm niemand wünschte (von seinen Verfolgern vielleicht abgesehen), im Schach aber ja schon mal vorkommen soll ... dann jedenfalls wäre für den ersten Platz wieder alles offen gewesen. 

Ebenso überragend ist die Leistung des vollblinden Axel Eichstädt vom FC St.Pauli in der F-Gruppe (″Der Junge aus St.Pauli″, der unvergessene, aber DWZ-schwache Freddy Quinn). Schachfreund Eichstädt hatte eingangs der letzten Runde 100%, wurde aber von Jann-Christian Tiarks vom Empor Potsdam und Michail Charalambakis, SV Altbach mit jeweils 3,5 Punkten hertnäckig "aus der Tiefe des Raumes" bedrängt. 

In wenigen Stunden wissen wir mehr!

Kurzer Ausblick auf die kommende Saison

Deutschland-Cup 2013 in Wernigerode: 1. bis 6. Oktober 2013

Natürlich blicken wir am Ende eines Turniers auch schon in die Zukunft ("nach dem Spiel ist vor dem Spiel") und tragen bereits die Termine für die kommende DSAM-Saison in unsere Kalender ein. Die Koffer müssen gepackt werden für:

Der Deutschland-Cup 2013 findet vom 1. bis 6. Oktober 2013 in Wernigerode statt, wie immer mit einigen ″Schmankerln″, diesmal unter anderem eine Harzrundfahrt und natürlich das Blitzturnier.

Interview mit Judith Fuchs

Judith Fuchs ist Internationale Meisterin (WIM) und erfolgreiches Mitglied der Frauen-Nationalmannschaft. Sie wurde in Leipzig geboren, wo sie auch die meiste Zeit über Schach spielte und ist seit 2011 in der Frauen-Bundesliga für den Hamburger Schachklub aktiv. 

Die Spieler der DSAM freuen sich sehr über die Simultanvorstellung, die sie im Kasseler Finale 2013 geben wird. Natürlich gibt es über sie einen Wikipedia-Eintrag.

Anlässlich der DSAM hat sie uns einige Fragen beantwortet. Das Gespräch führte Ralf Mulde. 

   Frage: Sie leben in Leipzig, studieren dort, spielen aber in der Frauen-Bundesliga. Wie viel Zeit geht in der Woche drauf für Schach, also für das Training plus Partien? 

    Judith Fuchs: Die Partien dauern natürlich immer unterschiedlich lang, das kann man also nicht sagen. Das Training musste ich wegen meiner nahenden Abschluss-Prüfung in Zahnmedizin an der Uni Leipzig reduzieren, vielleicht sind es jetzt noch fünf Stunden in der Woche. 

   Frage: Uni und Schach ... das füllt hoffentlich nicht ausschließlich die gesamte Zeit aus?  

    Judith Fuchs: Ich spiele ein wenig Geige, schon etwas über den Hausgebrauch hinaus. Naja, ich gehe jedenfalls davon aus, dass es nicht mehr weh tut, wenn man mir zuhört. 

Ansonsten ist es schon so, dass eben im Oktober die Abschlussprüfung an der Uni ansteht und man dafür einfach sehr viel tun muss. Einmal vom Schach leben zu können, kann man gerade als Frau nun mal nicht hoffe. Sogar zum Lesen bleibt keine Zeit mehr.

    Frage: A propos: Lesen Sie eigentlich noch Schachbücher oder ist heutiges Training komplett auf Datenbanken und die kleinen Silberscheiben umgestellt? 

    Judith Fuchs: Tatsächlich benutze zumindest ich keine Schachbücher mehr. Im Studium und einfach so nebenbei zur Unterhaltung ist es natürlich anders, aber gerade Schach lässt sich gut mit elektronischen Medien darstellen, auch zum Training. 

   Frage: Zur Musik: Wen oder was hört die Geigerin Fuchs gerne, welchen Musikgeschmack haben Sie? 

    Judith Fuchs (denkt ein wenig nach): Hmm ... Alles. Eigentlich höre ich alles, eben ohne mich vorher festzulegen. Was gut ist, das gefällt. 

   Frage: Welche Ziele haben Sie im Schach? 

    Judith Fuchs: Vielleicht der WGM-Titel, denn WIM bin ich schon. Eine Elo über 2400 wäre schön, aber dafür müsste ich eben viel trainieren ... 

   Frage: Sie hatten vorhin schon erwähnt, dass gerade Frauen vom Schach nicht leben können. Nun gehören Sie aber doch zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft?

    Judith Fuchs: Zum Glück werden die Fahrtkosten von Leipzig nach Hamburg oder dahin, wo wir nun eben gerade spielen, ersetzt. Natürlich muss also niemand noch eigenes Geld mitbringen. Aber Gehälter oder Gagen werden nicht bezahlt, das ist bei den Frauen nun mal so. 

   Frage: Schachturnier sind gewöhnlich sowohl in Alters- als auch in Geschlechergruppen unterteilt (Senioren-, Frauen-, Jugendliche etc.). Ist das eigentlich sinnvoll? 

    Judith Fuchs: Ja, warum nicht? Es ist ja für Mädchen ziemlich einfach, irgendwo einen Preis zu erringen und vielleicht können so einige in den Vereinen gehalten werden. Insgesamt aber wird es sicher sehr schwer werden, den Anteil von Frauen im Schach zu steigern. 

   Mulde: Ich danke Ihnen herzlich für das nette Gespräch. 

Simultan. Handicap. Amateure waren klasse!

Die sympathische Leipziger WIM Judith Fuchs war so nett, sich den Spielern der DSAM an 16 Brettern zum Kampf zu stellen. Das ist nicht so ″en passent″ zu machen, denn einerseits wehren sich die Gegner (unverschämt!) 

Mit 9,5 – 6,5 siegte die Großmeisterin, hatte aber an (fast) allen Brettern mächtig zu tun, um ihre Punkte einzuheimsen! Nicht gewachsen war die Bundesligaspielerin (naja, an diesem Tag ...)  den Schachfreunden Frank Erdmann, Henrik Meyer, Jannis Renzelmann, Thomas Malchow und Marko Sponheim, denen ein Sieg gegen Judith Fuchs gelang – bravo! Mark Saßmannshausen, Marcel Dian und Eric Ahlers gelang noch dazu ein Remis, was insgesamt die gute Leistung der Amateure abrundete. 

Alle, einschließlich Frau Fuchs, hatten großen Spaß an dieser kleinen Zusatz-Veranstaltung, die wir in ähnlicher Form versuchen zu wiederholen. 

So sehen Sieger aus!

Festsaal

Beim Kasseler Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft 2012/13 sind alle Entscheidungen gefallen. Es war in einigen Gruppen ein dramatischer Verlauf mit überraschenden Wendungen, in anderen Gruppen wieder gelang es dem Erstplatzierten, sozusagen einen Start-Ziel-Sieg hinzulegen.

A-Gruppe

Sieger der ratingstärksten Gruppe und damit Deutscher Amateurmeister der A-Gruppe 2012/13 ist FM Dmitrii Marcziter (Kölner SK Dr. Lasker, Elo 2259). Er gewann das Turnier mit 4,0Punkten aus fünf Partien und ist nun für die nächste Deutsche Einzelmeisterschaft spielberechtigt. Aber Oliver Kniest (SG Solingen, Elo 2289 ) als Zweiter und Hannes Meyner (Kasseler SK 1876 mit Elo 2239) als Dritter erzielten ebenso wie der Meister 4,0 Punkte und waren nur durch die Feinwertung vom ″Platz an der Sonne″ getrennt, wobei die Augen der hessischen Schachwelt natürlich auf dem Kasseler Hannes Meyner gerichtet waren, der hier ein Heimspiel hatte. Matthias Tonndorf, (Caissa Wolfenbüttel), Nikolas Pogan (SK Schwäbisch Hall), Gerald Löw (TSV Bindlach) vervollständigten mit je 3,5 Punkten die Siegerplätze auf den Rängen vier, fünf und sechs. 

B-Gruppe

Hier war es so, dass Thomas Radke noch mit glatten ″vier aus vier″ geglänzt hatte, dann aber in der letzten Runde doch noch ins Straucheln geriet. Deutscher Amateurmeister der B-Gruppe 2012/13 ist Christian Friedrich Köhler (Godesberger SK, DWZ 2079), der auch schon als Erster der Setzliste ins Turnier einstieg und das Turnier mit 4,5 aus 5 beendete. Zweiter wurde Thomas Radke (TV Freiberg, DWZ 2074) mit 4,0 Punkten. Wolfgang Prüske vom SC Hansa Dortmund (Elo 2096) mit 4,0 Punkten wurde Dritter, vor Julian Grötzbach (Hamburger SK, DWZ 2019), der ebenso viele Punkte erzielte. Fünfter wurde Dirk Bender (Turm Idstein, Elo 2039) und der letzte ″Pokalempfänger″dieser schweren Gruppe wurde als Sechster Kevin Schröder (Turm Lippstadt, Elo 2009), der das Turnier ebenso wie der Fünfte mit 3,5 Punkten abschloss. 

C-Gruppe

In dieser dritten Rating-Gruppe siegte Manfred Weinmann-Musset (Ford-SF, Elo 1888) mit 4,0 Punkten und ist damit Deutscher Amateurmeister der C-Gruppe 2012/13. Hier war's aber richtig knapp, denn sogar noch der Vierte kam  auf dieselbe Punktzahl. Zweiter wurde Felix Knopf (SV Merseburg), Dritter Jens Gramenz (SF Barsinghausen), Vierter Konstantin Urban (SK Heidenau), der mit seiner DWZ von 1764 der Vorletzte der Setzliste war und am Ende ebenso viele Punkte wie der Gruppensieger hatte! Fünfter wurde Ralph Pabel (SK Mainaschaff) mit 3,5 Punkten und ebenso viele Zähler erspielte sich auch der Sechste Hans-Jürgen Nägele (SK Schwaikheim, DWZ 1854).

DSB-Präsident Herbert Bastian ehrt die Siegerin der Gruppe D Sarah Hund

Herbert Bastian ehrt Sarah Hund

D-Gruppe

Hier triumphierte Sarah Hund! Am Ende ließ es die Deutsche Amateurmeisterin der D-Gruppe 2012/13 aus Freiburg ein wenig abreißen, die ein Sproß ″der″ Schachfamilie Hund ist, aber knorrige 4,0 Punkte sicherten der blonden ″Breisgauer Schweizerin″ (DWZ 1650) den Turniersieg. Sie spielt ebenso wie ein Teil ihrer Familie für Freiburg-Zähringen, lebt aber jenseits des Bodensees in der Schweiz und ist auch Staatsbürgerin dieses Landes. Philipp Kossack (SV Erft, DWZ 1682) erspielte sich ebenfalls 4,0 Punkte, wurde aber nach Feinwertung Zweiter. Als Dritter kam Thomas Heyer (SF Wetzisreute, DWZ 1691) wiederum mit 4,0 Punkten ins Ziel, der fast noch Gruppensieger geworden wäre. Und genauso wie er erzielte Marcel Dian (BSC Rapid Chemnitz, DWZ 1653) 4,0 Punkte – das war der vierte Platz. Jan-Erik Dreyer (SF Barsinghausen, DWZ 1600) war als Fünfter der Beste derer mit 3,5 Punkten, denen Andreas Thomas (Wrist-Kellinghusen, DWZ 1675) als Sechster folgte.

E-Gruppe

Es sah ja schwer nach einem Durchmarsch aus, aber am Ende begnügte sich (oder musste er ...? Der Gegner darf ja auch mal ziehen) Detlef Krüger (TSG Rot Weiß Fredersdorf/Vogelsdorf e.V.) mit einem Remis in der Schlusskurve, so dass er mit 4,5 Punkten Erster und damit der Deutsche Amateurmeister der E-Gruppe 2012/13 wurde. Einen halben Punkt dahinter platzierten sich Jens Forner (BiBaBo Leipzig, DWZ 1494) und Frank Erdmann (TSG Taucha, DWZ 1492) auf dem zweiten bzw. dritten Rang. Sabine Schirra (SV Jedesheim, DWZ 1481) erspielte sich 3,5 Punkte und war damit nicht nur die bestes Teilnehmerin in dieser Gruppe, sondern auch Vierte. Boris Minkov (Freibauer Schöneberg, DWZ 1349) wurde mit 3,5 Punkten Fünfter, mit der gleichen Punktzahl gefolgt von Norbert Feßler (SC Weiler im Allgäu, DWZ 1466). 

F-Gruppe

Der blinde Axel Eichstädt (FC St.Pauli, kein Rating!) wurde mit hervorragenden 4,5 Punkten Deutscher Amateurmeister der E-Gruppe 2012/13. Jann-Christian Tiarks (Empor Potsdam, DWZ 1176) kam auf 4,0 Punkte und wurde Zweiter. Ebenso viele Punkte erspielte sich Michail Charalambakis (SV Altbach, DWZ 1147) und wurde damit Dritter. Es war Roman Zorn (SVG Lauterbach, DWZ 858), der mit 4,0 Punkten auf den vierten Platz gelangte, gefolgt von Marcel Ruhl (Anderssen Arolsen) mit 4,0 Punkten und Estelle Morio (SK Hauenstein, DWZ 1297) mit 3,5 Punkten auf den sechsten Platz.

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier – ach nee ...! Das heißt bei der DSAM auf die nächsten Termine hinzuweisen, die sich schon auf dieser Seite weiter oben finden. Es heißt aber auch das einzige (??) Schachfest nach einer großen Veranstaltung des Deutschen Schachbundes zu besprechen! 

Der Präsident des DSB, Herbert Bastian, war vom Mitropa-Cup aus nach Kassel geeilt, denn natürlich wollte er sich die Ehrungen der Spieler nicht entgehen lassen, vielmehr war er überwältigt von der sich so glanzvoll vor ihm ausbreitenden Veranstaltung mit rund 250 Gästen, überreichte er selbst die Preise, fand wunderbar auszeichnende Worte für jedem von ihm Geehrten und versäumte nicht die Gelegenheit, in seinem Grußwort die immense Wichtigkeit des ″Breitenschachs″ zu unterstreichen. Nicht jedem war zu jeder Zeit klar, was eigentlich in diesem Bereich auf die Füße gestellt wird, in dem sich 99%  der deutschen Spieler bewegen, wie viele Spielerinnen und Spieler und mit welcher Spielstärke sich an der DSAM beteiligen; das alles ist ein Zustand, den Präsident Herbert Bastian angetreten ist zu ändern.

Ehrung des Organisationsteams der DSAM

Organisations-Team der DSAM

Thorsten Ostermeier als Präsident des Hessischen Schachverbandes zeigte sich in seinem Grußwort von der DSAM-Veranstaltung bezaubert. Er war schon als Spieler bei diesem Turnier erfolgreich gewesen, jetzt sah er es aus der Perspektive derjenigen, die für die Spieler arbeiten und dafür, dass solche Wettbewerbe überhaupt ausgetragen werden können. Ehrungen und Grußworte waren lustig und kurzweilig, das Essen war gut und reichlich, kurzum: Alle waren zufrieden und begeistert. An allen Tischen sah man Freunde des Schachs in angeregter Runde plauschen, die sich noch wenige Stunden 

    Das ″Orga-Team″ bedankt sich herzlich bei allen Spielern für das schöne Turnier und freut sich auf ein Wiedersehen in der Saison 2013/14! 

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